100 F&A: Behinderung und Lesen Teil 2

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Bücher als Raum ohne Grenzen

68. Hat Lesen dir in schwierigen Zeiten geholfen?

Diese Frage kann ich nicht ein­deu­tig beant­wor­ten. Es gibt durch­aus Zeiten, in denen mir so viel durch den Kopf geht oder in denen ich sehr erschöpft bin, dass das Lesen mir Schwierigkeiten berei­tet (unab­hän­gig davon, ob es sich um ein Print oder um ein eBook han­delt). In die­sen Zeiten grei­fe ich ger­ne auf Hörbücher zurück, zu denen ich par­al­lel oft­mals etwas zeich­ne. Die Zeichnungen, die mei­ne klei­ne Serie beglei­ten, sind alle in jenen Phasen ent­stan­den.

Es gibt aber auch Zeiten, in denen ich der­art von einer Geschichte ver­ein­nahmt wer­de, dass die­se mich in der Tat mei­nen Alltag mit all sei­nen Barrieren und Hürden ver­ges­sen lässt. Dazu zäh­len auch die Hindernisse, die mir in der Arbeitswelt begeg­nen, ohne das Thema an die­ser Stelle ver­tie­fen zu wol­len.

69. Gibt es Barrieren beim Lesen oder Bloggen?

Da ich voll­kom­men frei bin in dem, was ich lese und in dem, was ich blog­ge, lege ich mir kei­ne eige­nen Hürden in den Weg. Also nein.

70. Welche Bedeutung hat Inklusion für dich?

Natürlich eine sehr gro­ße. Jeder kann sich ja mal umschau­en, an wel­cher Stelle in unse­rer Gesellschaft Inklusion gelebt wird. Es gibt für behin­der­te Menschen drei wich­ti­ge Säulen, auf denen ihr Leben steht. Wohnen. Arbeit. Mobilität. Für jün­ge­re Menschen wird Arbeit durch Schule oder Ausbildung ersetzt.

In kei­ner die­ser Bereiche gibt es eine geleb­te Inklusion. Auf die­sen Umstand wei­sen z.B. Aktivisten hin, wenn sie ent­spre­chen­de Bücher ver­öf­fent­li­chen. Auch wenn ich jedem Menschen wün­sche, dass eine Behinderung in sei­nem Leben kei­ne Rolle spielt, so heißt das nicht, dass eine Inklusion ver­nach­läs­sigt wer­den darf. Ich erwar­te nicht, dass nicht behin­der­te Menschen per­ma­nent mit irgend­ei­ner Art von Behinderung kon­fron­tiert wer­den soll­te. Aber ich erwar­te von Entscheidungsträgern, dass das Thema kon­struk­tiv in Zusammenarbeit mit betrof­fe­nen Menschen ange­gan­gen wird.

71. Gibt es Bücher, die dich in deiner Identität bestärkt haben?

Ja, sehr vie­le sogar. Meistens sind das bio­gra­fi­sche Romane oder Graphic Novels oder Sachbücher. Bei Romanen wird es schon was enger, wobei ich mich vor allem in mei­ner Kindheit am Rand der Gesellschaft ste­hen gese­hen und gefühlt habe und mich des­halb mit Außenseiter-Figuren in Büchern ver­bun­den füh­le.

72. Wie gehst du mit ableistischen Darstellungen um?

Wer mit dem Wort Ableismus nichts anzu­fan­gen weiß, kann auf mei­nem Schwesterblog einen Beitrag dazu lesen.
Es han­delt sich um einen mehr oder min­der neu­en Begriff, der das Wort „Behindertenfeindlichkeit“ dahin­ge­hend erwei­tert, dass Menschen auf ihre Behinderung redu­ziert wer­den.

Es kommt ganz drauf an, wo mir Ableismus begeg­net. In mei­nem Umfeld sind es vor allem älte­re Familienmitglieder, die mir Sprüche an den Kopf wer­fen, zu denen ich des Familienfriedens Willen nichts sage. Kommen die Sprüche aus mei­nem direk­ten Umfeld, wie z.B. von mei­nen Brüdern oder Freunden, dann reagie­re ich auf­klä­rend und erklä­re, wes­halb die­ser Satz oder die­ses Wort gera­de unpas­send war.

In der Literatur ver­wei­se ich am Ende mei­nes Reviews auf ableis­tisch Sachverhalte, so sie denn in den Romanen vor­ka­men. Ich habe natür­lich kei­ne Ahnung, ob die Autoren die­sen Hinweis lesen, aber zumin­dest die Leser mei­ner Reviews wer­den dann zum „dar­über Nachdenken“ ange­regt.

Meine Beitragsreihe “100 Fragen 100 Antworten” mit 120 Fragen und Antworten ist nicht nur für euch gedacht, son­dern auch für mich selbst. Nicht unbe­dingt im Sinne einer eso­te­ri­schen Selbstfindung, son­dern viel­mehr für das Erstellen einer “Landkarte mei­ner Lesegewohnheiten.” Damit lernt nicht nur ihr mich bes­ser ken­nen, son­dern auch ich mich selbst.

Alle Beiträge der Reihe samm­le ich in einer Übersicht.

Ein Kommentar

  1. Hallo lie­ber Frank!

    Wieder tol­le Antworten von dir und ich fin­de es super, dass du so … ja, wie soll ich es nen­nen, offen und auch rea­lis­tisch zu dem Thema stehst.
    Wie du geschrie­ben hast, vie­le haben kei­nen Kontakt mit “Behinderungen” und des­halb auch wenig Aufmerksamkeit dafür. Wenn man mehr damit kon­fron­tiert wür­de, wür­de viel­leicht auch mehr Feingefühl und Verständnis Einkehr hal­ten. Das wäre schon wich­tig. Gerade bei den aktu­el­len Umwälzungen, nen­ne ich es mal.
    Was ich jeden­falls von dir hier auf dem Blog lese – per­sön­lich ken­ne ich dich ja lei­der nicht 🙂 – klingt immer sehr gefes­tigt und als du mit dei­nem Leben, wie es ist, gut zurecht­kommst. Und das ist eine star­ke Sache bei den vie­len Hürden, die du meis­tern musst!

    Liebe Grüße, Aleshanee

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