Diese Art der emotionalen Romane ist eigentlich nicht die Welt, in der ich (bezogen auf in die Genres) gerne zu Hause bin. Die Geschichten berühren zwar, nehmen aber in meinen Augen zu oft der Geschichte die Spannung, wie auch in diesem Fall, denn die Autorin verrät viel zu früh die Zusammenhänge. Warum ich den Roman dennoch gelesen habe ist eine typische Verkettung der Ereignisse. Ich mag Sally Field als Schauspielerin und ich habe gesehen, dass bei Netflix ein Film mit ihr in der Hauptrolle veröffentlicht wurde. Gleichzeitig hat der Fischer Verlag die Werbetrommel gerührt, und veröffentlichte eine Neuauflage des Romans, der als Vorlage für diesen Film herhielt. Und da ich zu jenen gehöre, die sehr gerne zuerst die Bücher lesen, bevor sie die Verfilmungen schauen, bin ich auf diese Neuauflage gestoßen.
Die Handlung ist in der Tat kurios, denn es geht um einen Oktopus, der ungewöhnlich intelligent ist und sich gut in die Menschenwelt hereindenken kann. Er ist aber nicht nur intelligent, sondern ihm wird in diesem Roman gestattet, dass er in so manchem Kapitel aus der Ich-Perspektive seinen Blick auf die Welt erzählt. Seine Beziehung zu den Menschen ist allerdings eine Einbahnstraße, den während er die Menschen versteht, kann er sich ihnen nicht irgendwie mitteilen. Zumindest nicht direkt, was im späteren Verlauf noch an Bedeutung gewinnen wird. Und so wird auch er es sein, der dem Leser viel zu früh erzählt, was Sache ist.
Die eigentlichen Hauptrollen übernehmen nämlich die Witwe Tova Sullivan und der Lebenskünstler und Musiker Cameron Cassmore. Ja, es geht um mehr als nur um die Witwe und den Oktopus, so wie es in den Buchvorstellungen suggeriert wird. Und es dauert auch eine Weile, bis alle Figuren eingeführt wurden und das Schicksal sie auf die ein oder andere Weise zusammenbringt. Wie eingangs beschrieben krankt die Handlung aber ein wenig daran, dass schon ab zirka der Hälfte des Buchs klar war, wie die Figuren zueinanderstehen und die Handlung dadurch ein wenig ins Stocken geriet. Aber offensichtlich wird das von der Leserschaft erwartet, die gerne gefühlvolle Bücher liest.
Das kann ich dem Buch durchaus bescheinigen, dass es emotional geschrieben ist, auch wenn die Autorin Shelby Van Pelt hier und da ein wenig zu dick aufträgt. Ich würde das Buch jetzt nicht im Mystery verorten, so wie ich es hier und da schon gesehen habe, denn auch wenn der Oktopus deutlich intelligenter ist als andere Artgenossen (zumindest nach dem, was wir bis heute wissen), so ist das Buch doch eher ein emotionales Drama. Am Ende aber durchaus eines, das sich gut lesen lässt, vor allem während der heißen Tage Ende Juni 2026, auch wenn die Jahreszeit nicht ganz passt.
Titel: Das Glück hat acht Arme
Autor: van Pelts, Shelby
Genre: Belletristik
Seitenzahl: 464
Verlag: Fischer Verlag
Originaltitel: Remarkably Bright Creatures
Übersetzer: Kerstin Fricke
Herkunft: USA
Jahr: 2022 / 2023/2026 (org./dt./Neuauflage)
Warum versteht der deutsche Leser den Titel “Bemerkenswert kluge Lebewesen” nicht? Das wäre die Übersetzung des englischen Originaltitels gewesen. Es handelt sich bei dieser Auflage um eine Neuauflage, die anlässlich der Veröffentlichung der Netflix-Verfilmung herausgebracht wurde. Außer dem Cover mit Bezug zum Film, gibt es keine Änderungen.
So viel kann ich zum Film schon verraten, dass die Handlung an das Medium Film angepasst wurde und der Film wie erwartet von Sally Field lebt. Ansonsten wäre er mir wohl etwas zu kitschig gewesen.
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Schönen guten Morgen!
Ich bin auch durch die Verfilmung darauf aufmerksam geworden und hab sie mir angeschaut – einfach weil ich auf der Suche nach einem Film war 😀 Den fand ich tatsächlich auch echt schön gemacht, wenn es mir dann aber irgendwann auch ein bisschen zu kitschig / rührselig wurde. Aber geht einem doch ans Herz.
Das Buch möchte ich auch noch lesen, da ich eh die Zusammenhänge jetzt schon weiß, stört es mich wohl nicht, wenn da schon früh darauf Bezug genommen wird. Außerdem möchte ich es gerne im englischen Original lesen, mal schauen wie das ganze dann wirkt 🙂
Liebste Grüße, Aleshanee