Es klingt in der Tat wie ein Widerspruch. Eine philosophische Terrororganisation namens Aletheia. Dies ist das altgriechische Wort für „Wahrheit“. Aletheia ist aber auch ein zentraler Begriff in der Philosophie von Martin Heidegger, der ihn als „Unverborgenheit“ oder „Enthüllung“ des Seienden verstand. Dies zeigt schon, dass sich Raphaela Edelbauer in dem Buch sehr mit der Philosophie auseinandersetzt.
Das Buch ist in einem österreichischen Dialekt geschrieben, bzw. es gibt in Österreich andere Wörter und Formulierungen. So ist z.B. eine Stiege eine Treppe und der Invalide der Schwerbehinderte. Selbstredend bleibt das Buch verständlich, als Leser bin ich nur hier und da über die ein oder andere Formulierung gestolpert.
Ich finde es gut, dass Raphaela Edelbauer eine Rollstuhlfahrerin zur Hauptfigur ihres Romans machte. Allerdings kommt es hier und da zu der ein oder anderen Ungereimtheit. So beschreibt sie diese manchmal als hilflos, dann aber doch wieder sehr selbstbestimmt. Allerdings sind dies Details, die nur einem Rollstuhlfahrer auffallen.
Zurück zum Inhalt, in dem besagte Rollstuhlfahrerin mehr oder minder spontan sich eine Aktivistengruppe anschließt, eben besagte philosophische Terrororganisation. Sie wird mit Misstrauen empfangen, kann sich aber dann doch in der Gruppe behaupten. Innerhalb der Gruppe gibt es immer wieder zahlreiche philosophische Diskussionen, weshalb der Leser selbiger zugeneigt sein muss. Das auch, weil die Autorin hier und da recht tief in die Materie einsteigt.
Das macht das Buch zu einer Mischung aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen. Zum einen die Suche nach der Wahrheit in Zeiten der Fake-News und der Autokraten. Zum anderen ganz praktische Themen wie die Inklusion, die auch in Österreich an mancher Stelle nicht gelebt wird. Und immer wieder sehr anspruchsvolle Textpassagen, die zum Nachdenken anregen.
An mancher Stelle wurde es mir in der Tat etwas zu philosophisch, weshalb ich die ein oder andere Passage quergelesen habe. Ich denke zwar gern auch über philosophische Themen nach, aber eben nur in Grenzen. Allerdings ist der Roman dann wieder spannend genug, um dranzubleiben, denn es gilt in Erfahrung zu bringen, mit welchen Aktionen eine philosophische Terrororganisation die Aufmerksamkeit erzeugen kann, die sie benötigt, um ihre Thesen bzw. Themen publik zu machen.
Titel: Die echtere Wirklichkeit
Autor: Edelbauer, Raphaela
Genre: Belletristik
Seitenzahl: 448
Verlag: Klett-Cotta
Herkunft: Deutschland
Jahr: 2025
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