Es heißt, dass im Moment des Todes, das Leben an einem vorbeirauscht. Matt Haig nimmt diese Weisheit und dreht sie insofern um, als dass wir auf der Reise ins Jenseits mit einem Zug durch unser Leben fahren und an den signifikanten Momenten des Lebens anhalten und als Geist diese nochmals erleben.
In Nachwort schreibt der Autor, dass dieses Buch keine Fortsetzung der Mitternachtsbibliothek ist. Die beiden Bücher passen aber gedanklich zueinander. In beiden Büchern wird das Multiversum thematisiert, in dem beschrieben wird, dass jede Entscheidung im Leben zu einem neuen Lebenszweig führt.
„Er kannte zwar eine Zukunft. Aber eben nur eine Zukunft in einem unendlichen Multiversum.“ (bei 96% des eBooks)
Diese Art der Erzählung hat zwei wichtige Eckpunkte. Zum einen weiß der Leser, dass der Erzähler im hohen Alter gestorben ist und zum anderen weiß er nicht, was ihm alles passieren wird bzw. wo der Zug überall anhält. Matt Haig kann in meinen Augen wunderbar erzählen und baut in diesem Buch einen sehr guten Spannungsbogen auf, in dem der Zug nicht nur bei dramatischen Ereignissen anhält, sondern auch bei alltäglichen und vermeintlich normalen.
Was das Besondere an dem Leben des Erzählers ist, wird erst nach und nach deutlich und das ist auch Sinn und Zweck der Erzählung. Es braucht natürlich die Extreme, um zu verdeutlichen, worauf es dem Autor wirklich ankommt. Haig lenkt sehr gut und sehr emotional den Leser dahin, wo er ihn haben möchte, damit jeder Leser für sich selbst darüber nachdenken kann.
Ich habe gerade ganze Passagen dieser Rezension immer wieder gelöscht und werde auch die Zitate hier nicht niederschreiben, die ich mir herausgeschrieben habe, denn sie würden zu viel vom Inhalt des Buchs zu verraten. Deshalb müsst ihr mit dem zurechtkommen, was ich hier geschrieben habe und darauf vertrauen, dass dieses Buch wieder ebenso gefühlvoll geschrieben wurde wie die Mitternachtsbibliothek.
(Dieses Buch sollte eigentlich “Der Mitternachtszug” heißen. Keine Ahnung, warum “Die Mitternachtsreise” für den deutschen Markt ansprechender sein soll. Manchmal habe ich ja den Eindruck, als wollten Verlag ganz bewusst keine wörtliche Übersetzung des Buchtitels verwenden, der in diesem Fall im Original “The Midnight Train” heißt.)
Titel: Die Mitternachtsreise
Autor: Haig, Matt
Genre: Belletristik
Seitenzahl: 361
Verlag: Droemer
Originaltitel: The Midnight Train
Übersetzer: Sabine Hübner
Herkunft: England
Jahr: 2026 (org./dt.)
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Hi Frank!
Ich mochte ja die Mitternachtsbibliothek schon recht gerne, wobei es mir dort manchmal etwas zu “leicht” vorkam, was Matt Haig da als quasi Lösung angeboten hat. Auch wenn man vieles weiß ist die Umsetzung eben leider oft nicht so einfach und braucht viel Zeit und Willenskraft.
Auf sein neues bin ich dennoch sehr gespannt – auch hast du mich neugierig gemacht, was es wohl so besonderes in dem Leben dieses alten Mannes gab. Und schön dass auch “einfache” Momente als wichtig erachtet werden, die übersieht man zu leicht!
Liebste Grüße, Aleshanee
Hi Aleshanee,
da hast Du wohl recht und diesen Aspekt wirst Du auch hier finden. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich denke aber, dass er Dir trotzdem gefallen wird, vor allem, wenn Du die Mitternachtsbibliothek möchtest. Ich bin auf Deine Meinung gespannt 🙂
Viele Grüße
Frank