Es ist die undenkbar schlimmste Situation, die es geben kann. Das eigene Kind verlässt das Haus und kommt nicht wieder. Jedes Elternteil vermag sich diese Situation nicht vorstellen wollen. Mich erinnern solche Szenarien an die Verfilmung von „Der Herr der Ringe“, wo Théoden zu Gandalf sagt „Kein Vater sollte sein Kind zu Grabe tragen.“, nachdem sie seinen Sohn zu Grabe getragen haben.
In diesem Buch baut der Autor Jan Costin Wagner das Szenario auf, dass Sofies Vater Markus seine Tochter damit überrascht, dass sie zusammen mit seiner Schwester und seiner Nichte ein ausverkauftes Konzert einer bekannten Künstlerin besucht. Und während die drei Frauen sich im Konzert amüsieren, arbeitet er in einem Café. Und am Ende des Konzerts gibt es einen Knall und von den drei Frauen kommen nur noch zwei zurück. Ein terroristischer Anschlag zerstört mehrere Leben. Was macht das mit der Familie und dem Umfeld des Kindes?
Der Autor beschreibt in einem sehr eigenwilligen Stil, aus unterschiedlichsten Perspektiven, wie ein solcher Tod verarbeitet wird. Das Leben vieler gerät aus den Fugen und ich denke nicht, dass man irgendwie beurteilen kann, ob das Verhalten nachvollziehbar ist oder nicht. Der Schreibstil von Jan Costin Wagner ist insofern besonders, als dass er viele nicht aufschreibt, sondern nur andeutet. Nur, um im nächsten Moment konkreter zu werden. Diese Mischung ist sicherlich ungewöhnlich, aber ungeheuer spannend, wenn man sich mal daran gewöhnt hat.
Der Anschlag wurde von einem Muslim ausgeführt, der sich selbst mit in den Tod genommen hat. Das nimmt der Autor als Aufhänger, um das rechtsradikale Gedankengut aufzugreifen, das vor allem von der AfD „salonfähig“ gemacht wurde und die Demokratie von innen heraus gefährdet. Er schaut aber nicht nur auf die offensichtlichen Opfer, sondern auch auf jene, die kaum einer im Blick hat. Nämlich die Familie des Attentäters, die ebenfalls irgendwie damit klarkommen müssen, dass jemand aus ihren Reihen zu einer solchen Tat fähig war.
Fazit
„Eden“ von Jan Costin Wagner ist eine sehr schwere Kost und alles andere als ein seichter Sommerroman. Der Verlust eines geliebten Menschen konnte der Autor sehr einfühlsam beschreiben und ich kann mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die davon nicht berührt wurden. Dass der Vater etwas befremdliche Aktionen unternimmt, muss man als Leser hinnehmen. In meinen Augen ein intensiver Roman, vielleicht auch deshalb, weil ich selbst Vater bin und mir gar nicht vorstellen möchte, wie es ist, ein Kind zu verlieren.
Titel: Eden
Autor: Wagner, Jan Costin
Genre: Thriller
Seitenzahl: 320
Verlag: Galiani-Berlin
Herkunft: Deutschland
Jahr: 2025
Dieses Buch wurde mir über die Plattform Netgalley als E‑Book zur Verfügung gestellt. NetGalley gibt keinerlei Vorgaben über die Art und Weise, wie Bücher bewertet oder vorgestellt werden. Mehr Infos dazu auf der Seite “Über diesen Blog”.
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