Der Roman „Ningen Shikkaku“ von dem Autor Osamu Dazai gilt als einer der erfolgreichsten Romane der japanischen Nachkriegsliteratur. Er wurde als dreiteilige Serie einer japanischen Zeitschrift im Jahre 1948 zum ersten Mal veröffentlicht.
Das Buch besteht aus drei Notizbüchern, die aus der Ich-Perspektive geschrieben wurden. Eingebettet sind diese Teile von einem Pro- und Epilog, die zwar ebenfalls aus der Ich-Perspektive erzählen, aber von einer anderen Figur. In den Notizbüchern erzählt die Hauptfigur Yōzo Ōba aus seinem Leben, das sehr schräg abläuft. Es beginnt, dass Yōzo schon als Kind bemerkt, dass er sich nicht in andere Menschen hineinversetzen kann. Diese Empathielosigkeit bringt ihn zur Erkenntnis, dass er nicht zur menschlichen Spezies gehört und versucht dies durch Clownerie zu vertuschen.
Sein Versuch, sich dadurch in die Gesellschaft zu integrieren scheitert kläglich und steht bis heute sinnbildlich für den Versuch, eine normalisierende Gesellschaft abzubilden. Die Hauptfigur verfällt unterschiedlichsten Drogen, durchlebt zahlreiche depressive Phasen, überlebt mehrere Suizid-Versuche und durchlebt zahlreiche sexuelle Exzesse, wobei er immer wieder mit unterschiedlichsten Frauen zusammenlebt. Am Ende landet er in diversen psychiatrischen Kliniken, um mit seiner Einsamkeit und inneren Isolation zurechtzukommen. Erfolglos, wie sich herausstellt, weshalb er sich als „Mensch disqualifiziert“ empfindet (dies ist eine mögliche Übersetzung des Titels „Ningen Shikkaku“).
Der Roman wurde autobiografisch vom Autor Osamu Dazai geschrieben, weshalb er folglich viele Elemente aus seinem eigenen Leben enthält. Das Buch endet offen und der Leser weiß nicht, ob die Hauptfigur am Ende überlebt (Yōzo ist am Ende des Buchs 27). Anders als der Autor selbst, der sich 1948 (kurz nach der Veröffentlichung seines Romans) zusammen mit seiner Geliebten Yamazaki Tomie im Tama-Kanal das Leben nahm. Er wurde 39 Jahre alt.
Am Ende seiner Notizen kommt Yōzo zu folgendem Schluss:
„Ich war nun in toto nicht länger ein Mensch.“ (86%) („in toto“ ist ein medizinischer Begriff, der für „im Ganzen“ oder „vollständig“ bedeutet.)
Nun, der Roman hat zwar durchaus seinen Reiz und man mag ihn durchaus so interpretieren, dass es ausgesprochen schwierig sein kann, seinen Weg in der Gesellschaft zu finden, aber so überragend wie alle sagen, fand ich ihn nicht. Vielleicht liegt es an der Zeit, in der der Roman entstand, dass ich ihm etwas befremdlich gegenüber stehe.
Ich selbst bin über die Manga-Adaption von Junji Ito auf den Roman gestoßen und wollte wissen, ob die Vorlage ähnlich schräg ist, wie die Adaption. Ja, ist sie, wobei dem Manga natürlich die Erzählperspektive fehlt, und ich viel öfter den Eindruck hatte, dass die Hauptfigur die Kurve zumindest teilweise bekommen hat. In diesem Buch hatte ich eher sehr selten diesen Eindruck.
Der Roman wurde von Sabrina Wägerle neu übersetzt, wobei die Autorin zahlreiche Anmerkungen zu ihrer Übersetzung angab, die ich sehr hilfreich und spannend fand. Ob die Übersetzung besser oder schlechter ist, wage ich nicht zu beurteilen. Mir sind nur hier und da kleinere Unstimmigkeiten zu dem übertrieben langen Wikipedia-Eintrag aufgefallen, wie z.B. der Satz in der mir vorliegenden Übersetzung aus dem eBook „Von meinem Vater erhielt ich jeden Monat ein kleines Taschengeld, […]“, der bei Wikipedia so eingetragen wurde: „Obwohl er ein stattliches Taschengeld erhält, […]“.
Titel: Nicht länger ein Mensch
Autor: Dazai, Osamu
Genre: Belletristik
Seitenzahl: 150
Verlag: Anaconda Verlag
Originaltitel: Ningen Shikkaku
Übersetzer: Sabrina Wägerle
Herkunft: Japan
Jahr: 1948 / 2025 (org./dt.)
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