Die ältere Generation kennt noch den Spruch „Indianer kennen keinen Schmerz“, der heutzutage mit „Indianer weinen nicht“ auch leicht abgewandelt existiert. Diese Redewendungen sollen den Angesprochenen dazu bringen, Gefühle zu unterdrücken. Es dürfte eine Binsenweisheit sein, dass Erwachsene ihre Gefühle nicht mehr so präsent zeigen wie Kinder. Nicht umsonst lachen Kinder deutlich öfter als Erwachsene. Allerdings gilt dies nicht fürs Lachen, sondern auch für das Weinen.
Ich stelle mal die Behauptung auf, dass das Zeigen negativer Gefühle vor allem bei Männern auch heutzutage noch verpönt ist. Und genau hier setzt dieses Buch an, das in einer Dreier-Beziehung dieses Dilemma aufgreift. Denn es geht nicht nur um eine Tochter-Vater-Beziehung, sondern auch um die Beziehung des Vaters zu seiner Mutter. Denn der Vater wird von seiner Tochter fantasievoll ermuntert, sich Gedanken über seine Gefühlswelt zu machen, während er selbst sich an diverse Aussagen seiner Mutter erinnert.
Die Tochter weckt in ihrem Vater diverse Gefühle über die Metapher des fliegenden Funken bzw. den Samen einer Pusteblume. Meinem Empfinden nach, wird diese Metapher etwas zu oft angewendet, so dass sie sich am Ende etwas verbraucht. Hier hätte der Autor gerne auch noch andere Bilder einbringen können. Auch geht es weniger um eine Vater-Kind-Beziehung, sondern recht explizit um die Vater-Tochter-Beziehung. Das ist ein Unterschied. Ich denke auch, dass das Buch sich an Väter von Töchtern richtet, denn so sehr viele behaupten, dass die klassischen Rollenbilder überholt sind, so präsent sind sie dennoch.
Titel: Der kleine Funke und das große Leuchten
Autor: Rudolf, Tobias
Illustrator: Ax, Jan Hendrik
Genre: Bilderbuch / Philosophie
Seitenzahl: 128
Verlag: Gräfe und Unzer Verlag
Herkunft: Deutschland
Jahr: 2026
Werbung
Die Verweise zu Amazon sind mit Affiliate-Links (Link zum Buch) versehen. Das heißt, dass mit einem Kauf über einen dieser Links, ich von Amazon eine kleine Provision erhalte. Auf den Preis hat das keine Auswirkung.

Der Büchernarr schreibt hauptsächlich über Bücher aus den Genres Fantasy und Horror. Manchmal schleichen sich Bücher anderer Genres in diesen Buchblog ein, so dass hier auch Biografien, historische Romane oder Kinderbücher zu finden sind.