Buchverfilmungen #5: Das ES-Spezial

Als ich das Hörbuch von Stephen Kings ES als „ReRead“ gehört habe, kam in mir der Wunsch auf, die Filme noch­mals zu schau­en. Und so ent­stand die­ses Spezial zu den Verfilmungen zu Stephen Kings Roman “ES”.

Ich habe ein­fach ein Abo für den Kanal HBO für einen Monat gebucht und dort die Filme noch­mals und die Serie erst­mals geschaut. Da ich schon län­ger davon weg bin, dass ich Medien besit­zen muss, reicht es mir, die Filme ledig­lich aus­ge­lie­hen zu haben.

Stephen Kings Es (1990)

Titel: Stephen Kings Es
Original: Stephen King’s It
Länge: 192min
Regie: Tommy Lee Wallace
Musik: Richard Bellis
Drehbuch: Lawrence Cohen, Tommy Lee Wallace
FSK 16

Diese Verfilmung aus dem Jahre 1990 ist rela­tiv nah an der Vorlage, wobei es klar sein soll­te, dass ein Dreistunden-Film nie­mals einer der­art umfang­rei­chen Vorlage gerecht wer­den kann. Es feh­len sehr vie­le Szenen und Erklärungen, die den Umfang und sicher­lich auch das Budget gesprengt hät­ten.

Schon der Roman-Vorlage merkt man ihr Alter an. Bei die­sem Film wird dies noch­mals deut­li­cher. Außerdem schien wenig Geld für Special Effects vor­han­den gewe­sen zu sein, wes­halb „Es“ eher nach einem 60er-Jahre-Monster aus­schaut. Und es liegt auf der Hand, dass als Ende eine Apokalypse kaum umsetz­bar ist, wie King sie in ihrem Roman ver­fasst hat.

Man muss ein­fach wis­sen, dass der Horror der 90er nicht mit aktu­el­len Streifen mit­hal­ten kann. Wer dies akzep­tiert, kann ruhig zugrei­fen, wenn der Film irgend­wo auf­taucht. In den Streaming-Portalen ist die­se Verfilmung nur noch sel­ten anzu­tref­fen.

ES: Kapitel 1 (2017)

es Kapitel 1

Titel: ES: Kapitel 1
Original: It Chapter One
Länge: 128 min
Regie: Andy Muschietti
Drehbuch: Andy Muschietti, Gary Doberman
FSK 16

Es ist über­aus ver­ständ­lich, dass Filmadaptionen von den Buchvorlagen abwei­chen müs­sen, damit sie dra­ma­tur­gisch an das jewei­li­ge Medium ange­passt wer­den. Ich fin­de es z.B. voll­kom­men okay, wenn die Handlung aus dem Jahr 1958 in das Jahr 1988 gelegt wur­de. Das macht die­sen Film etwas moder­ner. Solche Änderungen sind zwar in mei­nen Augen nicht not­wen­dig, aber ver­tret­bar. Und dann gibt es die Änderungen, die in mei­nen Augen weni­ger Sinn erge­ben.

Zum einen wur­den die Verstrickungen der bei­den Zeitlinien voll­stän­dig ent­fernt. Kapitel 1 han­delt von den Ereignissen der Kinder, wäh­rend sich Kapitel 2 den Erwachsenen wid­met. Damit geht aller­dings der Clou der Vorlage ver­lo­ren, dass näm­lich der Zuschauer erst nach und nach erfährt, was die Kinder bzw. die Erwachsenen zusam­men­ge­führt hat.

Zum ande­ren wur­de die Freundschaft der sie­ben Kinder über­haupt nicht so inten­siv dar­ge­stellt, wie es in dem Buch gezeigt wur­de. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass eines der Kinder aus dem Film behaup­ten wür­de, dass dies der schöns­te Sommer sei­nes Lebens ist. Die Kinder sind teil­wei­se regel­recht feind­se­lig zuein­an­der. Vor allem Richie ist kom­plett anders, als King ihn im Buch beschrie­ben hat.

Ein wei­te­rer Störfaktor lag in der Darstellung der „Makel“ der Kinder, die heut­zu­ta­ge alle poli­tisch unkor­rekt sind, aber zu jener Zeit eben gang und gäbe (zumin­dest in den USA). Am deut­lichs­ten war das Stottern von „Stotter-Billi“ nicht vor­han­den. Wer sich das Hörbuch anhört, wird mit David Nathan Mitleid haben, so wie er das Stottern ein­ge­spro­chen hat. Dagegen spricht der Bill in der Verfilmung flie­ßend und teil­wei­se Stottern die ande­ren Kinder der Gruppe mehr als er.

Dabei ist ein zen­tra­les Element der Buchvorlage. Stephen King the­ma­ti­siert die Außenseiter immer wie­der, die aufs Äußerste gemobbt wer­den. Dieser Aspekt, dass sich die Außenseiter zusam­men­rot­ten, um gegen die ande­ren zu bestehen, kommt in die­ser Verfilmung viel zu kurz.

Und ich schrei­be zwar von Kindern, aber in die­sem Film sind es Jugendliche. Es sind kei­ne 11-jäh­ri­gen Kinder, son­dern 15-jäh­ri­ge Jugendliche. Das ist zumin­dest das Alter aller Schauspieler im Jahre 2017 gewe­sen, wie z.B. von Sophia Lillies, die Beverly March gespielt hat und bei der das zu hohe Alter sehr deut­lich wur­de.

Um alle wei­te­ren Änderungen hier auf­zu­schrei­ben, bräuch­te es ver­mut­lich meh­re­re Seiten. Warum die­se Änderungen vor­ge­nom­men wur­den, erschließt sich mir nicht und ist auch nicht mit dem Medium Film zu erklä­ren.

Als Horrorfilm mag die­ser ers­te Teil ganz gut sein, aber als Filmadaption von Stephen Kings Roman taugt er nicht. Es wur­de die eigent­li­che Seele des Romans ent­fernt, nur um einen eige­nen Film zu dre­hen, der aber los­ge­löst vom Buch betrach­tet wer­den muss, um Gefallen an ihm zu haben.

ES: Kapitel 2 (2019)

Titel: ES: Kapitel 2
Original: IT: Chapter 2
Länge: 169 min
Regie: Andy Muschietti
Drehbuch: Andy Muschietti, Gary Doberman, Jeffrey Jurgensen
FSK 16

Ich kann mir gut vor­stel­len, dass jemand, der die Buchvorlage nicht kennt, mit den vie­len Anspielungen in den bei­den Filmen nichts anzu­fan­gen weiß. Ganz im Gegenteil scheint so man­cher Kommentar zusam­men­hang­los. Deutlich mar­kan­ter sind aber wie­der die Abweichungen zur Buchvorlage. Wenn man es genau betrach­tet, so ist von der Handlung aus dem Roman kaum noch etwas übrig geblie­ben, wes­halb ich mich hier auf das Wesentliche kon­zen­trie­re.

Wie schon in Kapitel 1, so wird auch im zwei­ten Kapitel die Handlung chro­no­lo­gisch erzählt und nicht par­al­lel. Dass die Erinnerungen der Erwachsenen erst nach und nach wie­der­kom­men, wird durch kur­ze Rückblenden erzählt, in denen sich die Erwachsenen an ihre Kindheit erin­nern. Das ist aber nicht das Gleiche, wes­halb der eigent­li­che Clou der Romanvorlage auch im zwei­ten Kapitel fehlt. Übrigens ver­ges­sen die Erwachsenen zum Ende des Films nichts, was neben­bei bemerkt eine wei­te­re gro­ße Änderung dar­stellt.

Die Rolle der Figuren wur­de aber­mals geän­dert, wobei in Kapitel zwei die Rolle von Mike am hef­tigs­ten modi­fi­ziert wur­de. Liegt er im Buch die meis­te Zeit im Krankenhaus, über­nimmt er im Film eine zen­tra­le Rolle in der Bekämpfung von Es, und schiebt gleich­zei­tig Bill in den Hintergrund, der im Roman der „Anführer“ der Gruppe ist.

Das Ritual von Chüd nimmt im Buch die ent­schei­den­de Rolle ein, wäh­rend es im Film nur dazu dient, ein deut­lich action­rei­che­res Ende ein­zu­fü­gen. Spätestens hier hat die Handlung die Buchvorlage im Stich gelas­sen. Die Action reicht aber nicht aus, um die Apokalypse zu zei­gen, wie sie im Buch über Derry her­ein­bricht.

Dass die Makel der Kinder, die sie zu Verlierern gemacht haben, wie­der nicht deut­lich in Erscheinung tre­ten, war ja im ers­ten Teil schon so und wur­de hier so fort­ge­führt. Das glei­che gilt für den Zusammenhalt der Gruppe, der in dem Film nicht rüber­kam.

Es gibt im Film eini­ge weni­ge Gruselmomente, die für sich allei­ne gese­hen ganz in Ordnungen waren. Wären da nicht die zahl­rei­chen Anspielungen auf ande­re Werke von King und natür­lich auf die Romanvorlage. Und so ist der zwei­te Film iden­tisch mit den Eindrücken aus Kapitel 1. Als Horrorfilm in Ordnung, als Verfilmung eines Buchs eher nicht.

Welcome to Derry, Staffel 1

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Titel: ES: Welcome to Derry: Staffel 1
Original: IT: Welcome to Derry
Länge: 8 Folgen à ca. 60 Minuten
Regie: Andy Muschietti
Drehbuch: Diverse
FSK 16 und 18

Diese Serie spielt im Jahre 1962 27 Jahre vor den Ereignissen aus dem Buch. Auch in der Serie gibt es immer wie­der Rückblicke in der Zeit davor, und zeigt, wie z.B. ES Pennywise gefun­den und für sich genutzt hat. Auch in der Serie steht eine Gruppe von Außenseiter-Kindern im Mittelpunkt, wobei sie logi­scher­wei­se kei­ne Erfolg im Kampf gegen Es hat­ten.

In der Serie gibt es natür­lich eben­falls Logiklücken, wobei sich die Drehbuchautoren auch hier nicht getraut haben, über Stephen Kings Multiversum zu phi­lo­so­phie­ren. Dafür wur­den ande­re Elemente auf­ge­setzt, wie z.B., dass die Ureinwohner in der Region es schaff­ten, den Bewegungsradius von ES ein­zu­schrän­ken, was erklärt (oder erklä­ren soll), wes­halb Es nur an einem Ort aktiv ist. Ein zwei­tes neu­es Element ist mal wie­der das Militär, das Es für sei­ne Zwecke ein­bin­den möch­te und natür­lich alles ver­bockt.

Anders als in der Vorlage, wer­den die Erwachsenen in der Serie sehr oft mit Es kon­fron­tiert, wobei in der Vorlage nur die „erwach­se­nen“ Kinder Es sehen. Am Ende hat­te die Serie etwas vom Rattenfänger von Hameln, um der Kindergruppe dann doch zumin­dest einen Zwischensieg zu ermög­li­chen.

Es ist durch­aus eine gute Horror-Serie, die ihre Momente hat, sich aber deut­lich von der Romanvorlage distan­ziert. Es ist in der Serie noch weni­ger der Geist von Stephen Kings Roman vor­han­den, als in der Neu-Verfilmung.

Die Serie ist übri­gens als Trilogie geplant, wobei jede Staffel 27 Jahre wei­ter in die Vergangenheit schaut. Die zwei­te Staffel soll dem­nach im Jahr 1935 und die drit­te im Jahr 1908 spie­len. Gerüchte ver­mel­den, dass die zwei­te Staffel Mitte 2027 aus­ge­strahlt wer­den soll.

Ich habe die Serie als Serienmarathon geschaut, in dem ich den HBO-Kanal bei Amazon-Prime für einen Monat gebucht haben. Einen kos­ten­lo­sen Probemonat gab es nicht, aber auch die 6 Euro, die ich bezahlt habe, sind noch deut­lich güns­ti­ger, als wenn ich mir die Serie direkt aus­ge­lie­hen oder gekauft hät­te.

Die auf die­sem Blog ver­öf­fent­lich­ten Buchbesprechungen zu Büchern von Stephen King sind mitt­ler­wei­le auf einer eige­nen Seite zu fin­den.

Ich fin­de es erstaun­lich, dass es zu Kings Roman “ES” noch gar kei­ne Graphic-Novel-Adaption gibt. Dabei brüllt die­ser Roman doch gera­de­zu danach, auch in die­sem Medium prä­sent zu sein.

Empfehlenswerte Horrorbücher (Romane wie Graphic Novels), die auf die­sem Blog vor­ge­stellt wur­den, fin­den sich unter Rubrik “Der blan­ke Horror”.

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Die Verweise zu Amazon sind mit Affiliate-Links ver­se­hen. Das heißt, dass mit einem Kauf über einen die­ser Links, ich von Amazon eine klei­ne Provision erhal­te. Auf den Preis hat das kei­ne Auswirkung.

Dies war der fünf­te Teil mei­ner klei­nen Serie Buchverfilmungen. Zudem habe ich eine eige­ne Übersichtsseite zu die­sem Thema erstellt.

3 Kommentare

  1. Schönen guten Morgen!

    Ein tol­ler Beitrag über die Verfilmungen! Ich hab den alten damals natür­lich geschaut, aber tat­säch­lich kei­ne Erinnerungen mehr, das ist schon zu lan­ge her… die bei­den neu­en hab ich mir eben­falls ange­schaut und fand sie an sich gut gemacht.
    Die Serie wür­de mich auch noch rei­zen, aber da war­te ich noch bis sie kom­plett ist. Auch ärge­re ich mich immer wenn ich bei ama­zon Zusatzkanäle buchen muss, oder über­haupt mitt­ler­wei­le so vie­le Titel nur zum kau­fen oder lei­hen sind. Und Werbung kommt ja jetzt bei eini­gen Filmen und Serien auch noch dazwi­schen. Da fra­ge ich mich schon, war­um ich für prime bezah­le.

    Deinen Beitrag hab ich heu­te ger­ne in mei­ner Stöberrunde ver­linkt!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Hallo Aleshanee,

      aktu­ell funk­tio­niert die Kommentar-Funktion auf Deinem Blog nicht. Keine Ahnung, ob am Blog oder mei­nem Browser liegt. Ich woll­te das hier schrei­ben:

      Hallo Aleshanee,

      eine schö­ne umfang­rei­che Stöberrunde. Ich wer­de ver­mut­lich wie­der mehr lesen als schrei­ben 🙂 Naja, die alte Laier (oder Leier?).

      Auch von mir vie­len Dank für die Verlinkung zu mei­nem Beitrag.

      Ja, die Abos ner­ven mich auch. Ich habe es tat­säch­lich so gemacht, dass ich für einen Monat die 6 Euro für den Kanal aus­ge­ge­ben habe. Wenn Du so willst als Leihgebühr für eine Videothek. Du kennst sowas ja sicher noch 😀

      Der Roman hat ja so sei­ne Schwächen, und die Filme sind durch­aus okay. Nur wenn ich sie als Adaption bewer­te, dann neh­men gera­de die neu­en Filme den Clou des Romans aus der Handlung her­aus.

      Die Serie ist auch okay, hat aber nur noch wenig mit dem Roman zu tun, son­dern nutzt eher das Szenario. Ist aber den­noch emp­feh­lens­wert.

      Herzliche Grüße
      Frank

      1. Oh, kei­ne Ahnung war­um das nicht ging… aber jetzt scheint es ja wie­der zu funk­tio­nie­ren, zum Glück 🙂
        Ja, die Videotheken von frü­her hab ich damals natür­lich auch genutzt – und manch­mal, eher sel­ten, lei­he ich mir da auch mal was aus, wenn es mir wich­tig genug ist dass ich es unbe­dingt sehen möch­te. Trotzdem fin­de ich es ner­vig, gera­de auch die alten Film-Klassiker, hier noch Geld zu ver­lan­gen extra find ich schon etwas schräg..

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