Kinder, die mit ihren behinderten Eltern aufwachsen, stehen vor ganz anderen Herausforderungen als Kinder, die so aufwachsen, was die Allgemeinheit unter „normal“ versteht. Das gilt insbesondere dann, wenn beide Elternteile behindert sind und wenn es eine Behinderung ist, die massive Einschränkungen mit sich zieht. So wie in diesem Fall, denn die Eltern der Hauptfigur Jēkabs sind beide blind.
Der Hauptteil des Buchs wird aus der Ich-Perspektive des Jungen erzählt, und erzählt von den einzelnen Stationen in der Entwicklung eines Jungen. In diesem Sinne handelt es sich um einen klassischen Coming-of-Age- bzw. Entwicklungsroman, in dem davon erzählt wird, wie Jēkabs viele Situationen anders erlebt und wie er viele Einschränkungen umschiffen muss, in dem er dazu gedrängt wird, mehr Verantwortung zu übernehmen. Nicht umsonst heißt es, dass Kinder behinderter Eltern früher erwachsen werden.
Gleichzeitig erfährt er aber nicht nur Dankbarkeit für seine Hilfe, sondern wächst in einem relativ gewalttätigen Umfeld auf, weil die Eltern auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückschrecken, um (angebliche) Verfehlungen ihres Sohns zu tadeln, was ich persönlich schon sehr daneben fand. Die Rechtfertigung dafür erfährt der Leser in kurzen Abschnitten, in denen die Mutter in der Form von Tagebucheinträgen davon erzählt, wie sie gerne die perfekte Mutter sein möchte, aber sehr wohl weiß, wie ihr Sohn aufwächst und welche Bedürfnisse er hat, die sie ihm nicht geben kann.
Konflikte sind mit pubertierenden Kindern vorprogrammiert. Das Loseisen der Kinder von den Eltern passiert nie in vollständiger Harmonie. Ganz unabhängig davon, ob Eltern behindert sind oder nicht. Die Einschränkungen, die Behinderungen mit sich bringen, verstärken die Konflikte bzw. haben das Potential dazu. Diesen Einblick in der Entwicklung eines Kindes zeigt dieser Roman der lettischen Autorin Bugavičute‑Pēce.
Titel: Der Junge, der im Dunkeln sah
Autor: Bugavičute‑Pēce, Rasa
Genre: Drama / Coming of Age
Seitenzahl: 224
Verlag: Mirabilis
Originaltitel: Puika, kurš redzēja tumsā
Übersetzer: Lil Reif
Herkunft: Lettland
Jahr: 2019 / 2025 (org./dt.)
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