[Dystopie] Der Schnee war schmutzig

Der Roman „Der Schnee war schmut­zig“ aus dem Jahre 1948 gilt als eines der düs­ters­ten und bedeu­tends­ten Werke von Georges Simenons. Bei die­sem Roman (und somit auch bei der Graphic Novel Adaption) han­delt es sich um einen exis­ten­zia­lis­ti­schen Noir-Krimi. Darunter ver­steht man eine Mischung aus der düs­te­ren Ästhetik und pes­si­mis­ti­schen Stimmung einem Film Noir und der phi­lo­so­phi­schen Fragestellung, die dem Existenzialismus inne­woh­nen. Nach Beendigung die­ser Lektüre dürf­te jeder das Buch zuklap­pen und sich fra­gen, was er da gera­de gele­sen hat.

Die Antwort auf die­se Frage ist alles ande­re als ein­fach und für das Medium der „Graphic Novel“ sehr sel­ten und eben­so unge­wöhn­lich. Die Graphic Novel erzählt von der acht­zehn­jäh­ri­gen Hauptfigur Frank Friedmaier, der ohne Not aus einer tie­fen inne­ren Leere her­aus Gewaltverbrechen begeht. Er raubt und mor­det und ver­rät das Mädchen, das er eigent­lich liebt. Die Motivation der Hauptfigur ist kaum nach­voll­zieh­bar und ent­behrt jeg­li­cher Sympathie.

Der „schmut­zi­ge“ Schnee ist in die­sem Kontext meta­pho­risch zu ver­ste­hen und steht für die Verunreinigung sowohl der Stadt und der Umgebung wie auch für Franks Seelenzustand. Die Handlung spielt irgend­wo in der Nachkriegszeit in einem Land, das von meh­re­ren Besatzern in unter­schied­li­chen Zonen unter­teilt ist. Das klingt sehr nach einem Nachkriegsdeutschland, aber der Autor hat sich sehr bewusst dafür ent­schie­den, dies nicht näher zu erläu­tern. Es ist egal, wo die Handlung ange­sie­delt ist und wer die Besatzer und die Besetzten sind.

Die Hauptfigur wird sich erst dann sei­ner selbst und sei­ner Taten bewusst, als es schon längst zu spät ist. Erst in Gefangenschaft und unter Folter kann er selbst­re­flek­to­risch erken­nen, was er bis­her getan hat. Weshalb er sich dafür ent­schei­det, durch tota­le Erniedrigung sei­nen abso­lu­ten Nullpunkt zu errei­chen, der in dem Wunsch mün­det, erlöst zu wer­den.

Wie es sich für einen „Film Noir“ gehört, hat sich der Zeichner Yslaire für eine sehr düs­te­re Darstellung ent­schie­den, die nur hin und wie­der mit Farbklecksen auf beson­de­re Figuren auf­merk­sam macht. Die Figuren sind sehr expres­sio­nis­tisch und etwas über­trie­ben dar­ge­stellt. Eine Darstellung, die der Betrachter mögen muss.

Fazit

Diese Graphic-Novel-Adaption ist alles ande­re als ein­fach. Viele Fragen blei­ben offen und die Motivationen ver­schlei­ert. Es ist sicher­lich kei­ne simp­le Geschichte und die Graphic Novel scheint den Zeitgeist des Romans (den ich nicht ken­ne) sehr gut ein­zu­fan­gen. Diese Graphic Novel ist ein wei­te­rer Beweis dafür, dass die­ses Medium sehr wohl kom­ple­xe, phi­lo­so­phi­sche und nach­denk­li­che Geschichten trans­por­tie­ren kann.

cover

Titel: Der Schnee war schmut­zig
Autor: Simenon, Georges; Fromental, Jean-Luc
Illustrator: Yslaire
Genre: Dystopie / Comic
Seitenzahl: 104
Verlag: Carlsen Verlag
Band: 1 von 1

Originaltitel: La nei­ge était sale
Übersetzer: Christoph Haas
Herkunft: Frankreich
Jahr: 1948 / 2024 / 2026 (Vorlage / org. / dt.)

In mei­ner per­sön­li­chen Übersicht der emp­feh­lens­wer­ten Comics und Graphic Novels fin­den sich vie­le lesens­wer­te und zum Teil sehr beein­dru­cken­de Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.

Diese Graphic Novel beim Carlsen Verlag. (unbe­zahl­ter Infolink)

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