Der eine hat sich verpflichtet, immer die Wahrheit zu sagen, der andere ist ein notorischer Lügner. So treten der Krieger Phaidros und die Hexe Dionysos in diesem Roman auf. Ja, wieder wird ein Mann als Hexe bezeichnet, was hier und da für Verwirrung sorgt, aber aus dem Kontext heraus wird dann aber doch deutlich, dass in diesem Roman die Hexen als Oberbegriff verwendet werden. Es gibt halt hin und wieder Probleme mit den korrekten Personalpronomen.
Das macht das Lesen dieses Romans aber nicht schwierig. Natasha Pulley hat ihre ganz eigene Sprache, und versucht über ihre erzählerische Stärke den Leser in ihren Bann zu ziehen. Darauf muss sich der Leser einlassen und damit rechnen, dass die Erzählung im Vordergrund steht und weniger die Action. Wer weniger Wert auf die erzählerische Kraft eines Romans legt, dürfte mit der ein oder anderen Länge konfrontiert werden. Andere werden hier eher die Stärke des Romans sehen. Der geneigte Fantasy-Leser wird nun hoffentlich wissen, was ich meine.
Die Autorin nimmt sich die Freiheit, Figuren der Mythologie frei in ihrem Roman zu verwenden. Wer in der griechischen Mythologie heimisch ist, wird wissen, dass es kein Werk gibt, das als Vorlage für die vielen Figuren gilt, die in der dortigen Welt existieren. Aber so wie Natasha Pulley dürften nur wenige die Figuren verwendet haben. So zieht Helios nicht seinen Sonnenwagen über den Himmel, sondern ist Ziehvater der kriegerischen Hauptfigur. Die Gestalt im Labyrinth sieht zwar aus wie ein Minotaurus, ist es aber nicht. Um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen.
Selbstredend weicht auch die Geschichte von Dionysos von den „gängigen“ Vorlagen ab, und ist wesentlicher Kern dieser Geschichte. Durch die Art und Weise, wie Pulley den Roman geschrieben hat, musste ich immer wieder ein wenig aufpassen, wie sie es nun gemeint hat, da sie viele magische Ereignisse nur andeutet.
Fazit
In meinen Augen muss der Leser es mögen, wenn die Figuren der griechischen Mythologie in einen anderen Kontext gesetzt werden. Auch muss sich der Leser gerne in ruhigen Fantasy-Geschichten wiederfinden können und muss in der Lage sein, sich auf die Erzählung einzulassen.
Titel: Das Lied des Dionysos
Autor: Pulley, Natasha
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 544
Verlag: Klett-Cotta
Originaltitel: The Hymn to Dionysus. A Novel
Übersetzer: Michael Pfingstl
Herkunft: England
Jahr: 2025 (org./dt.)
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Hey Frank,
ich würde per se nicht sagen, dass mir der Schreibstil nicht gefallen hat, er konnte mich einfach nicht packen. Ob Dionysos nun als Hexe oder Hexer bezeichnet wird, war für mich noch das geringste Problem an der Geschichte.
Ich kam überhaupt nicht mit dem Mischmasch zurecht, den die Autorin hier geschaffen hat. Auch wenn ich Autor:innen prinzipiell künstlerische Freiheit überlasse, hat mir hier wirklich der Respekt gegenüber der eigentlichen Mythologie und der griechischen Geschichte gefehlt.
Es freut mich allerdings für dich, dass du mit ihrem Schreibstil offensichtlich besser zurechtgekommen bist, als ich.
Das Lied des Dionysos ♦ Natasha Pulley | ARC Rezension
Cheerio
RoXXie
Guten Morgen Frank!
Das Buch scheint sehr unterschiedlich aufgenommen zu werden – was ich aber schon vermutet habe. Die ruhige Erzählweise und die wenige “Action” die du beschreibst liegt nicht jedem, mich hat sie sehr fasziniert! Dass hier die Mythen oder Personen anders gezeigt wurden bzw. eben nicht so wie sie in der Mythologie vorkommen oder beschrieben werden hat mich überhaupt nicht gestört. Das ist ja sehr oft bei Retellings so. Ich fand die Hintergründe, die sich nach und nach herausgestellt haben einfach sehr genial 🙂
Liebste Grüße, Aleshanee
Hallo Aleshanee,
ich meine, dass das bei allen Büchern von Natasha Pulley so war, dass ihr Schreibstil nicht immer gut angekommen ist. Aber so ist das eben, wenn dieser etwas spezieller ist.
Es stimmt, dass es keine Vorlage gibt, die bei Mythen adaptiert werden. Aber dennoch hat jeder so sein eigenes Bild von den Figuren und ganz grob sind die Eigenschaften der Götter ja schon bekannt und ähnlich. Hier bricht Pulley mit den Konventionen. Klar, dass das nicht jedem gefällt 🙂
Herzliche Grüße
Frank