[Fantasy] Navola: Das Erwachen des Drachen

In mei­nem Umfeld gibt es zwei Arten von Fantasy-Freunden. Die einen mögen action­rei­che Geschichten im Stile eines Tad Williams, der auch schon mal epi­sche Schlachten in sei­ne Romane ein­flie­ßen lässt, und die ande­ren bevor­zu­gen erzäh­le­ri­sche Schwergewichte wie Robin Hobb es mit den Büchern rund um Fitz Chivalric ver­mag. Navola vom ita­lie­nisch­stäm­mi­gen Autor Paolo Bacigalupi gehört ein­deu­tig in die letz­te­re Kategorie.

Navola ist ein gleich­na­mi­ger Stadtstaat in einer alter­na­ti­ven Welt, die am ehes­ten mit der Renaissance unse­rer Welt zu ver­glei­chen ist. Wer jetzt ange­sichts der Begriffe Stadtstaat und Italien Vergleiche zum Vatikan zieht, liegt falsch. Der Autor hat einen sehr klas­si­schen High-Fantasy-Roman geschrie­ben, der nur vor erzäh­le­ri­schen Stärke strotzt. Das, was die einen als „Länge“ emp­fin­den, ist in mei­nen Augen ein Hochgenuss.

Bacigalupi schafft es, eine Welt zu schaf­fen, in der Handel, Intrigen und Macht die wesent­li­chen Elemente sind. Und inmit­ten all der Geschehen steht der jun­ge Davico di Regulai, der aus sei­ner Ich-Sichtweise davon erzählt, wie es war, als Kind in einer sol­chen Dynastie auf­zu­wach­sen. Er ist aber bei wei­tem nicht so ver­schla­gen wie sein Vater und gerät mehr als ein Mal unter die Räder.

Dieser Roman hat in mei­nen Augen sehr vie­le Zutaten, wie ich sie auch in ähn­li­chen Romanen fin­det. Es gibt den gewief­ten Meuchelmörder, der als Waffe des Vaters ein­ge­setzt wird, der vie­le Fäden in den Händen hält. Es gibt den Waffenherrn, der den Jungen lehrt zu kämp­fen und zu über­le­ben und es gibt die Wendung, die alles über den Haufen wirft.

Der Untertitel der deut­schen Version heißt „Das Erwachen des Drachen“. Hier muss war­nen, dass der Drache zwar eine ent­schei­den­de Rolle spielt, aber eine ande­re, als der Leser viel­leicht ver­mu­tet. Ich kann aber lei­der nicht näher dar­auf ein­ge­hen, damit ich nicht zu viel spoi­le­re.

Fazit

Ich bin von dem Buch eben­so begeis­tert, wie ich sei­ner­zeit von den Werken Robin Hobbs begeis­tert war, was wenig ver­wun­dert, denn es gibt die ein oder ande­re Parallele. In Zeiten der Romantasy-Schwemme ist die­ser Roman eine Wohltat und defi­ni­tiv ein Highlight, das ich allen Fantasy-Freunden ans Herz legen kann.

Bleibt am Ende noch die Frage, ob es ein Einzelband ist oder nicht. Nun, die Geschichte fin­det zwar einen zufrie­den­stel­len­den Abschluss, der aber unbe­dingt wei­ter­erzählt wer­den möch­te, so dass ich stark davon aus­ge­he, dass es einen Folgeband geben wird, auch wenn mir nicht bekannt ist, wann.

Und jetzt, wo ich mal in der Bibliografie des Autors gestö­bert habe, der mir bis­her noch nicht unter die Augen gekom­men ist, konn­te ich fest­stel­len, dass es sie­ben Werke im Deutschen gibt, die bis­her aber alle im Science-Fiction hei­misch waren. Navola scheint sein ers­ter High-Fantasy-Roman zu sein.

deutsches cover

Titel: Navola: Das Erwachen des Drachen
Autor: Bacigalupis, Paolo
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 800
Verlag: Fischer TOR

Originaltitel: Navola
Übersetzer: Alexander Weber
Herkunft: USA
Jahr: 2025 (org./dt.)

Dieses Buch wur­de mir über die Plattform Netgalley als E‑Book zur Verfügung gestellt. NetGalley gibt kei­ner­lei Vorgaben über die Art und Weise, wie Bücher bewer­tet oder vor­ge­stellt wer­den. Mehr Infos dazu auf der Seite “Über die­sen Blog”.

Das Cover fand ich übri­gens so geni­al, dass ich es bei der Blogger-Action Coverliebe vor­ge­stellt habe.

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5 Kommentare

  1. Hi Frank!

    Ich hat­te ja schon bei der Coverliebe erwähnt, dass mich das Buch hier neu­gie­rig gemacht hat. Der Untertitel ist ja meist ein Hinweis auf eine Reihe, aber ich hab tat­säch­lich nichts dazu gefun­den, auch nicht auf good­reads, wo man ja meis­tens eher ent­deckt ob es eine Reihe ist / wird oder nicht.
    Auf jeden Fall hört es sich nach etwas an, dass mir eben­falls sehr gut gefal­len könn­te!
    Ich mag ja Robin Hobb und Tad Williams bei­de und fin­de gar nicht, dass die so unter­schied­lich erzäh­len oder vom Aufbau her anders sind (lang­sa­mer bzw. schnel­ler erzählt), ich fin­de die sogar recht ähn­lich. Aber eben anders, wie du schon sagst, als das übli­che Romantasy was ja seit eini­ger Zeit so boomt. Deshalb schön dass es hier wie­der etwas gibt, was für mich eher zur rich­ti­gen Fantasy gehört 😀

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Hi Aleshanee,
      ja, ich kann mir gut vor­stel­len, dass die­ser Roman etwas für Dich ist. Im Netz trol­len sich halt die Freunde der Action-Fraktion, aber Du magst ja auch gut erzähl­te Geschichten, in denen die Welten etwas detail­lier­ter beschrie­ben wer­den. Für die einen eine Länge, für uns ein Genuss 🙂
      Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es bei Dir ankommt, wenn es den Weg zu Dir fin­det.

      Herzliche Grüße
      Frank

      1. Hi Frank 🙂 Da bin ich noch­mal … hier hat­te ich ja schon kom­men­tiert und ich den­ke, dass ich die­se Geschichte auf jeden Fall aus­pro­bie­ren wer­de. Ich mag ja bei­des, ob rasant und vol­ler Action oder ruhig und inten­siv, je nach­dem wie mir der Stil gefällt kann mir bei­des gefal­len oder eben nicht

  2. Hey Frank,

    auch wenn ich schon am Nachmittag vor­bei­kom­men woll­te, schaf­fe ich es lei­der erst jetzt, auch einen Kommentar zu hin­ter­las­sen.

    Erst ein­mal ist es toll, dass dich das Buch begeis­tern konn­te. Das macht ein Leseerlebnis gleich dop­pelt so schön, als wenn man nicht kom­plett davon abge­holt wird.
    Oh, ich bin ganz bei dir, was die “Romantasy-Schwemme” betrifft. Wobei ich hier klar sagen muss, dass ich die­se Einstufung als irre­füh­rend betrach­te. Etwa die Hälfte der Bücher die­ser Klassifizierung haben weder Fantasy noch Romance zu 50% inne, was die Kennzeichnung für mich dann auch erklä­ren wür­de. Wenn viel Romance dar­in vor­kommt, dann ist es meist ein lang aus­ge­dehn­tes Gezerre bis die Protas zum ers­ten Mal pim­pern, und danach gefühlt in jedem wei­te­ren Kapitel. Wodurch die Handlung kom­plett in den Hintergrund rutscht. Dann soll­te man die­se Bücher in “Spicy Fantasy” oder “Erotic Fantasy” ein­ord­nen.

    Ich habe über­haupt kein Problem mit roman­ti­schen oder ero­ti­schen Szenen in der Fantasy, aber dabei darf die phan­tas­ti­sche Handlung ein­fach nicht ver­ges­sen wer­den. Ansonsten wür­de ich direkt ein Romance/Erotic-Buch zur Hand neh­men.

    Aber ich schwei­fe ab. Deine Besprechung ver­spricht wirk­lich, dass Navola ein tol­les Buch sein muss. Ich wer­de es mir jetzt ein­fach mal auf die WuLi set­zen. Doch bei mei­nem SuB kann es noch ein Weile dau­ern, bis ich das Werk zur Hand neh­me. Zum Glück sind Bücher gedul­dig.

    Vielen Dank für dei­ne tol­le Rezension.

    Cheerio
    RoXXie

    1. Hi RoXXie,
      alles gut, ich schaf­fe es auch oft erst spä­ter, bei den Beiträgen vor­bei­zu­schau­en, die ich mir vor­ge­nom­men habe. Da kön­nen auch schon mal Tage draus wer­den 🙂

      Liebesszenen sind für mich auch voll­kom­men okay und auch Beziehungen dür­fen in Büchern ger­ne vor­kom­men. Aber es ist schon so wie Du schreibst, dass in die­sen Romance-Büchern es ein­fach über­trie­ben wird und die Figuren zudem oft­mals total däm­lich agie­ren und reagi­ern.

      Ja, das sind sie in der Tat. Und da ich bevor­zugt eBooks lesen, fal­len die Stapel auch nicht so sehr ins Gewicht 🙂

      Herzliche Grüße
      Frank

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