[Fantasy] Precious Metal

Der Comic „Precious Metal“ von Darcy Van Poelgeest und Ian Bertram ist eine sechs­tei­li­ge Miniserie, die als Prequel zur preis­ge­krön­ten Graphic Novel Little Bird fun­giert. Die Handlung spielt etwa fünf­und­drei­ßig Jahre vor den Ereignissen der ursprüng­li­chen Serie und erwei­tert das düs­te­re Universum des soge­nann­ten „American Empire“, einer dys­to­pi­schen Zukunftsgesellschaft, die von reli­giö­sem Fanatismus und bru­ta­ler Machtpolitik geprägt ist. Im Mittelpunkt steht der des­il­lu­sio­nier­te Mod-Tracker Max Weaver, der sei­nen Lebensunterhalt damit ver­dient, gene­tisch ver­än­der­te Menschen auf­zu­spü­ren. Als eine Routinejagd auf ein modi­fi­zier­tes Kind uner­war­tet eska­liert, gerät Max in eine Kette von Ereignissen, die nicht nur sei­ne eige­ne Vergangenheit, son­dern auch die Zukunft die­ser Welt betref­fen könn­ten.

Bereits im ers­ten Heft wird deut­lich, dass „Precious Metal“ kein gewöhn­li­cher Science-Fiction-Comic ist. Van Poelgeest setzt auf eine frag­men­tier­te, teil­wei­se bewusst rät­sel­haf­te Erzählweise, die Erinnerungen, Visionen und Gegenwart mit­ein­an­der ver­webt. Max Weaver ist dabei kei­ne klas­si­sche Heldenfigur, son­dern ein gebro­che­ner Mann, der von Schuld, ver­lo­re­nen Erinnerungen und einer tie­fen mora­li­schen Erschöpfung geprägt ist. Die Suche nach dem mys­te­riö­sen modi­fi­zier­ten Kind ent­wi­ckelt sich schnell zu einer Reise in die eige­ne Vergangenheit. Immer wie­der tau­chen Hinweise auf Experimente, reli­giö­se Kulte und eine Welt auf, in der mensch­li­che Körper nach Belieben ver­än­dert wer­den. Dadurch ent­steht eine Atmosphäre, die glei­cher­ma­ßen von exis­ten­zi­el­ler Verzweiflung und mythi­scher Symbolik geprägt ist.

Im Verlauf der sechs Kapitel ent­fal­tet sich die Geschichte lang­sam, bei­na­he traum­ar­tig. Die Handlung springt zwi­schen ver­schie­de­nen Zeitebenen und ent­hüllt nach und nach Zusammenhänge zwi­schen Max, dem Kind und den Mächten, die im Hintergrund agie­ren. Besonders die Begegnungen mit Figuren aus sei­ner Vergangenheit ver­lei­hen der Serie eine emo­tio­na­le Tiefe, die über rei­ne Action weit hin­aus­geht. Gleichzeitig baut die Serie immer deut­li­cher eine Verbindung zur spä­te­ren Handlung von Little Bird auf. Der abschlie­ßen­de Band führt meh­re­re Erzählstränge zusam­men und erwei­tert das Universum auf eine Weise, die sowohl neue Fragen auf­wirft als auch zen­tra­le Motive der Reihe vor­be­rei­tet. Kritiken lob­ten beson­ders, dass das Finale die Welt der Serie sinn­voll erwei­tert und vie­le zuvor nur ange­deu­te­te Ideen zusam­men­führt.

Ein her­aus­ra­gen­des Merkmal von „Precious Metal“ ist jedoch vor allem die visu­el­le Umsetzung. Ian Bertrams Zeichnungen gehö­ren zu den eigen­wil­ligs­ten und beein­dru­ckends­ten Arbeiten im aktu­el­len ame­ri­ka­ni­schen Comic. Seine Figuren wir­ken oft gro­tesk und über­zeich­net, die Körper wer­den defor­miert, erwei­tert oder tech­nisch ver­än­dert gezeigt. Die Seiten wir­ken wie sur­rea­le Gemälde, die zwi­schen reli­giö­ser Ikonographie, Science-Fiction und Horror oszil­lie­ren. Viele Panels laden dazu ein, län­ger betrach­tet zu wer­den, da sie vol­ler Details und sym­bo­li­scher Hinweise ste­cken.

Gerade die­se künst­le­ri­sche Radikalität macht den Comic aller­dings auch anspruchs­voll. „Precious Metal“ erklärt sei­ne Welt nur sel­ten direkt. Stattdessen müs­sen Leserinnen und Leser vie­le Zusammenhänge selbst erschlie­ßen. Für man­che kann das irri­tie­rend wir­ken, doch gera­de die­se Offenheit gehört zum Reiz der Serie. Die Geschichte ent­fal­tet ihre Wirkung nicht allein durch die Handlung, son­dern durch die Atmosphäre und die emo­tio­na­len Untertöne, die sich zwi­schen den Panels ent­fal­ten.

Fazit

Als Gesamtwerk erweist sich „Precious Metal“ als unge­wöhn­lich dich­ter und ambi­tio­nier­ter Comic. Die Serie ver­bin­det dys­to­pi­sche Science-Fiction mit phi­lo­so­phi­schen Fragen nach Identität, Erinnerung und Menschlichkeit. Gleichzeitig erwei­tert sie das Universum von Little Bird um eine tra­gi­sche Vorgeschichte, die dem spä­te­ren Geschehen zusätz­li­che Bedeutung ver­leiht. Wer eine kla­re, gerad­li­ni­ge Handlung erwar­tet, wird mit der kom­ple­xen Struktur über­for­dert sein. Wer jedoch bereit ist, sich auf die visu­el­le und erzäh­le­ri­sche Experimentierfreude ein­zu­las­sen, ent­deckt einen außer­ge­wöhn­li­chen Comic, die noch lan­ge nach der letz­ten Seite nach­hallt.

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⚠️Achtung⚠️Dieses Buch ent­hält expli­zi­te Beschreibungen von Gewalt und ist somit nicht für min­der­jäh­ri­ge oder zart besai­te­te Leser geeig­net.

Der Comic hat einen Umfang von 320 Seiten und ent­hält alle 6 Teile der Serie.
cover

Titel: Precious Metal
Autor: van Poelgeest, Darcy
Illustrator: Bertram, Ian
Genre: Fantasy / Science Fiction / Comic
Seitenzahl: 320
Verlag: Cross Cult
Band: ent­hält alle 6 Bände

Originaltitel: Precious Metal Vol. 1–6
Übersetzer: Frank Neubauer
Herkunft: USA
Jahr: 2025 / 2026 (org./dt.)

In mei­ner per­sön­li­chen Übersicht der emp­feh­lens­wer­ten Comics und Graphic Novels fin­den sich vie­le lesens­wer­te und zum Teil sehr beein­dru­cken­de Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.

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