[Grusel] Das Hotel

Die Autorin Daisy Johnson ent­wirft ein loses Geflecht aus fünf­zehn mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Geschichten, die sich um ein unheim­li­ches Hotel in den eng­li­schen Fens ran­ken. Das Gebäude wirkt weni­ger wie ein Schauplatz als viel­mehr wie ein eigen­stän­di­ges Wesen: Es zieht sei­ne Gäste an, ver­än­dert sie und scheint ins­be­son­de­re Frauen in sei­nen Bann zu schla­gen. Die Geschichten rei­chen von klas­si­schen Geistererzählungen bis hin zu bei­na­he mär­chen­haf­ten, sur­rea­len Episoden. Die Autorin benutzt in ihren Kurzgeschichten unter­schied­li­che sti­lis­ti­sche Sprachelemente, um die­se Unterschiede der Geschichten zu ver­deut­li­chen.

Diese unter­schied­li­chen Elemente sind aber auch das, was mich am ehes­ten an dem Buch stört. Viele Geschichten blei­ben zu vage und deu­ten nur an, was pas­sie­ren könn­te. Das zen­tra­le Element ist zwar das Hotel, aber die Geschichten fin­den dar­über hin­aus kei­nen Verbindungspunkt, damit sich ein ein­heit­li­ches Bild ergibt. Es wäre bes­ser gewe­sen, wenn es außer dem Hotel noch ande­re Elemente oder Figuren gege­ben hät­te, die in den ande­ren Kurzgeschichten auf­tau­chen. So bleibt am Ende eine man­geln­de Kohärenz.

Das Buch ver­blasst in einer frag­men­ta­ri­schen Struktur, in der immer wie­der Themen wie weib­li­che Erfahrung, Trauma und das Gefühl des Ausgeliefertseins auf­tau­chen, die­se Motive aber nicht wei­ter aus­ge­ar­bei­tet wer­den, was dazu führt, dass vie­le Geschichten schnell wie­der ver­blas­sen.

Unterm Strich ist „Das Hotel“ eine atmo­sphä­ri­sche Anthologie, die sich zwar stim­mungs­voll und sprach­lich ver­siert prä­sen­tiert, aber erzäh­le­risch unein­heit­lich wirkt. Wer sich auf Stimmung, Andeutung und lite­ra­ri­schen Horror ein­las­sen kann, wird hier fün­dig. Wer hin­ge­gen kla­re Handlungsbögen und aus­ge­ar­bei­te­te Geschichten erwar­tet, dürf­te ent­täuscht wer­den.

cover

Titel: Das Hotel
Autor: Johnson, Daisy
Genre: Anthologie / Horror
Seitenzahl: 160
Verlag: btb Verlag

Originaltitel: The Hotel
Übersetzer: Birgit Maria Pfaffinger
Herkunft: England
Jahr: 2024/2025 (org./dt.)

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