Einleitung
Der Kölner Dom hat wie jede andere Kirche auch eine eigene Gemeinde. Meine Eltern hatten irgendwann vor meiner Geburt in dem Einzugsgebiet ihre Wohnung gehabt und waren deshalb dort mehr oder weniger in der Gemeinde verwurzelt. Aus diesem Grund bin ich als Kind dort nicht nur regelmäßig zu den Gottesdiensten erschienen, sondern habe dort auch meine Erstkommunion und später die Firmung gefeiert. Mit der Erstkommunion bin ich zudem Messdiener im Dom geworden und habe zahlreiche Messen dort erlebt.
Der Schrein der Heiligen Drei Könige oder auch Dreikönigenschrein steht aktuell im hinteren Teil des Kölner Doms am mittelalterlichen Altar. Dort standen zu jener Zeit auch das Evangelium und Flambeaus, die für die Lesung während einer Messe verwendet werden. Ich habe also sehr oft auf die Seite des Schreins geschaut, die auch auf dem Cover des Buchs zu sehen ist.
In dem Buch beschreibt die Autorin Sabine Weiß viele Details, die alle auch in der Realität vorhanden sind. Ich habe dabei schon einige beeindruckende Erlebnisse gehabt. So wurde der Schrein hin und wieder geöffnet, der Pilgerweg zum Unterschreiten des Schreins war in unregelmäßigen Abständen geöffnet und diverse Pilgezüge gingen am Schrein vorbei. Das beeindruckendste Erlebnis war zum Weltjugendtag in Köln, als alle Bänke aus der Kirche entfernt wurden und sich eine riesige Menschentraube durch den Dom am Schrein vorbei geschoben hat.
Deshalb bin ich auf dieses Hörbuch aufmerksam geworden, weil es ganz einfach nur den Schrein der Heiligen Drei Könige zeigt. Da ich auch ein wenig an der Historie interessiert bin und auch wissen wollte, wie die Autorin eine Geschichte um diesen Schrein erfindet, habe ich zu diesem Hörbuch gegriffen. (Siehe auch die Coverliebe #29)
Der Schrein wurde in etwa des Zeitraums von 1190 und 1225 gefertigt. Die Gebeine selbst wurden von Erzbischof Rainald von Dassel im Jahr 1164 aus Mailand nach Köln überführt. Der Bau des neuen Kölner Doms, so wie er auch heute noch zu sehen ist, wurde anno 1248 begonnen. Anlass waren die Menschenmassen, die zum Schrein gepilgert sind. Man kann also sagen, dass der Kölner Dom um den Dreikönigenschrein herum gebaut wurde. Der Dom wurde übrigens erst im Jahre 1880 fertiggestellt.
Die Geschichte beginnt mit der Überführung der Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln und mit der Ankunft des Goldschmieds Nikolaus von Verdun in Köln, der für den Entwurf und den Bau von mindestens einer Seite des Schreins verantwortlich war.
Natürlich sind heutzutage nur Bruchstücke von dem überliefert worden, wie es damals in Köln zugegangen ist. Hier dürfte die Autorin Sabine Weiß neben einer guten Recherche auch viel Fantasie walten lassen, um die Lücken entsprechend zu füllen. Ein Vor- oder Nachwort der Autorin findet sich in diesem Hörbuch leider nicht.
Die Autorin beschreibt wie Nikolaus die Goldschmiede-Werksatt errichtet, und unter welchen Bedingungen er mit der Arbeit begonnen hat. Er hat mit diversen Hindernissen zu kämpfen gehabt, wobei mir unklar ist, ob diese auf wahren Begebenheiten ruhen oder nicht, was natürlich für das Verständnis der Geschichte unerheblich ist.
Damals war es eine unruhige Zeit, in der mit vielen Kriegen, Scharmützeln und Intrigen die Machtverhältnisse geklärt wurden. Diese Unwägbarkeiten hat die Autorin in meinen Augen sehr gut dargestellt. Immer wieder wird untereinander misstraut und die Machtverhältnisse schoben sich mal hierhin und mal dorthin. Aber auch zahlreiche private Konflikte hat die Autorin gut in die Geschichte verwoben und glaubwürdig erzählt.
Auch beschreibt Sabine Weiß immer wieder sehr detailliert von den Figuren des Schreins, die sich so alle wiederfinden lassen. Selbst die vermutlich erste antisemitische Darstellung der Geißelung Jesu, die in dem Buch wie viele anderen Themen rund um den Schrein ihren Platz gefunden haben.
Was mir an diesem Hörbuch weniger gefallen hat, war der Sprecher Detlef Bierstedt. Seine Stimme ist nicht nur schwer zu verstehen gewesen, sondern er hat das Buch auch unstetig eingesprochen. Ich konnte teils arge Sprünge in seiner Intonation hören, die mir eher unangenehm aufgefallen sind.
Fazit
Auch wenn historische Romane nicht zu meinem bevorzugten Genre gehören, so hat mir der Ausflug in das mittelalterliche Köln sehr gut gefallen und auch die persönlichen Verhältnisse der Figuren waren für meinen Geschmack gut eingebunden. Einen Stern Abzug gibt es für die Leistung von Detlef Bierstedt, die mir dieses Mal so gar nicht gefallen hat.
Titel: Der Schrein der Könige
Autor: Weiß, Sabine
Sprecher: Bierstedt, Detlef
Genre: Hörbuch / Historischer Roman
Hörzeit: 17 Stunden und 4 Minuten
Verlag: Lübbe Audio
Print: Lübbe
Herkunft: Deutschland
Jahr: 2026
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