Der wichtigste Satz hat Carolin Kebekus in ihrem Buch am Ende fallen lassen. Liebe Mütter, hört auf eure Intuition und auf euer Bauchgefühl. Das ist auch das, was wir immer wieder im Umgang mit unseren Kindern erlebt haben. Macht nichts mit eurem Baby, bei dem ihr euch unwohl fühlt.
In dem Buch schreibt die Autorin immer davon, wie sehr sie sich von Insta hat beeinflussen lassen. Das wäre mein Tipp: Vergesst die sozialen Medien. Das, was dort gezeigt wird, ist sehr weit von der gelebten Realität entfernt.
Mit der Geburt ihres Kindes hat Carolin Kebekus in vielerlei Hinsicht Neuland betreten. Und auch wenn sie im Rampenlicht steht und als bekannteste Comedian Deutschlands gilt, so unterscheiden sich ihre Erfahrungen nicht mit denen vieler anderer Mütter in Deutschland. Wenn ich z.B. in meinem Bekanntenkreis von der Unfreundlichkeit gegenüber Familien, Kindern und Müttern erzähle, so erfahre ich Zustimmung bei denjenigen, die selbst Kinder haben und Ablehnung bei jenen, die kinderlos geblieben sind.
Auch an viele Dinge rund um die Geburt, konnte ich viele Aha-Momente erkennen. Ja, so war es bei uns auch. Und wenn jetzt einige denken, dass Carolin Kebekus bestimmt übertreibt, damit es humorvoller ist, der irrt. Die meisten Dinge sind genau so, wie sie es in ihrem Buch beschreibt. Genau deshalb ist es ja so witzig.
Was in meinen Augen ein wenig zu kurz gekommen ist, sind die vielen schönen und positiven Momente. Was ist das nicht für ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man aufwacht und plötzlich liegt da ein kleines Menschenkind zwischen uns Eltern. Carolin Kebekus geht auf diese schönen Momente in ihrem Buch nur kurz ein. Vielleicht weil es weniger humorvoll ist, als wenn das Kind sich den Rücken hoch bis zum Hals vollgekackt hat.
Sie beschreibt einige in meinen Augen sehr wichtigen Dinge. Dazu gehört z.B. die Grätsche, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, was auch heutzutage leider immer noch unglaublich schwierig ist. Nicht unbedingt weil Frauen zusätzlich arbeiten müssen, sondern weil sie es möchten. Aber auch, dass Mütter ein bisschen mehr Vertrauen in die Väter haben sollen. Und ganz wichtig der Hinweis, dass der Umgang mit Hebammen in Deutschland ein absolutes No-Go ist, weil dieser Berufsstand stark gefährdet ist, weil die Politik ihnen immer mehr Steine in den Weg legt.
Fazit
Wenn es einen Lebensbereich gibt, in dem unbestritten Männer nur schnödes Beiwerk sind, dann sind das die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett. Als Mann kann man sich in keiner Weise vorstellen, wie es ist, ein neues Leben zu produzieren, auf die Welt zu bringen und die ersten Monate und Jahre für das Kind zu sorgen. Dennoch ist das Buch auch für Männer geeignet, denn Carolin Kebekus kann mit ihrem unbeschreiblichen Humor jedem Leser näher bringen, wie es ist, Mutter zu werden und Mutter zu sein. Und es gibt wenige Bücher, bei denen ich in aller Öffentlichkeit auflachen musste. Mehrfach.
Wir haben unser erstes Kind etwas eher als die Familie Kebekus bekommen. Als wir vor etwas 17 Jahren unser gerade ein Jahr alt gewordenes Kind in einer Kita untergebracht haben, war der Aufschrei groß. Was sind wir von unserem Umfeld angegangen worden. Und das ganz ohne soziale Medien.
Ich habe damals bei einem Großkonzern im Kölner Süden gearbeitet, meine Frau als Krankenschwester auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Als ich beim ersten Kind die seinerzeit mehr oder minder frisch eingeführte Elternzeit beantragt hatte, wurde ich von meinem Chef gefragt, warum ich denn diesen Schritt gehen wolle. Immerhin sollte ich doch froh sein, dass ich auf Arbeit nichts mit diesem stinkenden Windelpaket zu tun hätte. Als ich gesagt habe, dass ich doch auch wenigstens auf einer kurzen Strecke voll für mein Kind zuständig sein wolle (meine Frau ging in den zwei Monaten wieder voll arbeiten), bekam ich als Antwort, dass dies doch Aufgabe der Frau sei. Da helfen alle Verhaltenskodexe von den Firmen nichts, wenn die Chefs das nicht vorleben. Beim zweiten Kind war ich dann acht Monate in Elternzeit.
Das, was Carolin Kebekus in ihrem Buch beschreibt, ist sehr typisch für das erste Kind. Was machen wir Eltern nicht für ein Gewese rund um das Kind. Allein die Diskussion, wie schlimm doch der Schnuller ist und wie gut das Stillen doch sei und wie schlecht, wenn man zu früh dazu füttert.
Natürlich möchte ein Baby keinen Schnuller haben, wenn es als Alternative die Brust vor Augen hat. Und natürlich schaut einem das Baby an, als hätte man sie nicht alle, ihm so nen Plastikdingen in den Mund zu stecken. Wir hatten beim ersten Kind auch gesagt, dass es den Schnuller nicht möchte. Er hat als Alternative später die Kuscheltiere benutzt. Kind zwei und drei hatten selbstverständlich einen Schnuller, denn der macht vieles entspannter. Aber ja, man muss das Kind dran gewöhnen und den Schnuller im Mund des Babys festhalten.
Und während Kind eins noch mit extra für ihn zubereiteten Essen zugefüttert wurde, hatte spätestens Kind drei wie selbstverständlich mit dem ersten Lebensjahr das Essen vom Teller der Erwachsenen geklaubt.
(Man merkt dem Text durchaus an, ob Familie Kebekus mit einer Tochter oder einem Sohn beglückt wurde, aber ich habe vollstes Verständnis, wenn die Familie dies nicht mit der Öffentlichkeit teilen möchte, und bin der Meinung, dass dies unbedingt respektiert werden muss.)
Eine kleine Anekdote habe ich, um aufzuzeigen, dass die Autorin kaum übertrieben hat, wenn sie von ihren Erfahrungen berichtet. Wir waren in Schweden in Urlaub und sind mit einer Bimmelbahn durch einen Wildpark gefahren. Und während wir uns die Tiere angeschaut haben, fing unser Jüngster (gerade ein Jahr alt) an zu drücken. Und man sieht es den Kindern an, wenn sie ihr Geschäft machen wollen. Ein Bild für die Götter. Ehrlich. Und er drückte und drückte und plötzlich hatte ich ein extrem stinkendes Etwas auf meinem Schoß, bei dem sich langsam anfing der Body zu verfärben und das Kind drückte weiter. Während alle Mitreisenden ihr Lachen nicht mehr verkneifen konnten, waren wir erstaunt, nein entsetzt, was für eine Menge an brauner Kacke aus diesem Kind floss. Bis zum Nacken. Und ihr habt keine Ahnung, wie es war, dieses Kind während der Fahrt zu säubern. Wusstet ihr, dass Kinder manchmal ganz schöne Umweltschweine sind, denn wir hatten ja nur Feuchttücher und kein fließend Wasser.
Wichtig finde ich die Aussage, dass Mütter den Vätern mehr vertrauen sollten. Da hatte die Autorin mir sehr oft aus der Seele gesprochen. Ja, ich bin ebenso wie Herr Kebekus auch mal gern ohne großes Gepäck losgezogen, sehr zum Unmut meiner Frau, aber überlebt haben es die Kinder. Gleichzeitig kenne ich Familien, in denen die Mütter abends nicht weggehen können, weil sie ihr Kind ins Bett bringen müssen, weil sie das den Vätern nicht zutrauen. Sieben Jahre lang.
Und ich muss auch eine Lanze für die Hebammen brechen. Es ist unglaublich, mit was für einer Erfahrung den Müttern geholfen wird. Und das oftmals ohne Hilfsmittel. Sondern nur mit ihren Fingerspitzen und ein paar Fragen. Ich fand es immer sehr beeindruckend, mit welchen Tipps unsere Hebamme ankam.
Titel: 8000 Arten, als Mutter zu versagen
Autor: Kebekus, Carolin
Genre: Humor / Ratgeber
Seitenzahl: 192
Verlag: KiWi
Herkunft: Deutschland
Jahr: 2025
Dieses Buch wurde mir über die Plattform Netgalley als E‑Book zur Verfügung gestellt. NetGalley gibt keinerlei Vorgaben über die Art und Weise, wie Bücher bewertet oder vorgestellt werden. Mehr Infos dazu auf der Seite “Über diesen Blog”.
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