[Karikatur] Zensur in Amerika

Eine gute Karikatur schafft es, mit einer humor­vol­len Bildidee, meist mit nur einem ein­zi­gen Bild, ein kom­ple­xes Thema der­art zu ver­dich­ten, dass der Betrachter über die dar­ge­stell­te Situation nach­den­ken muss. Oftmals wird mit Übertreibungen und prä­gnan­ten Symbolik auf eine pro­ble­ma­ti­sche Situation auf­merk­sam gemacht. Der Betrachter erkennt nach weni­gen Sekunden, wor­um es geht, wäh­rend die Thematik lan­ge im Gedächtnis bleibt. Zwei Künstler, die die­ses Handwerk sehr gut ver­ste­hen, sind Ann Telnaes und Patrick Chappatte.

Beide sind inter­na­tio­nal unter­wegs und sind bei­de viel­fach aus­ge­zeich­net wor­den. Und bei­de sind in den USA mit ihren Karikaturen ange­eckt. Und zwar bei den Milliardären, die ihre Stellung aus­nut­zen, weil sie z.B. Eigentümer der wich­ti­gen Zeitungen sind. Der US-Amerikanische Machtapparat übt so viel Schrecken aus, dass teil­wei­se nicht mehr direkt zen­siert wer­den muss, son­dern die Organe üben frei­wil­lig eine Selbstzensur aus. Das bes­te Beispiel dafür sind die zahl­rei­chen Bücher, die aus unzäh­li­gen Bibliotheken ver­schwun­den sind, weil dort etwas drin­nen­ste­hen könn­te, das irgend­ei­nem will­kür­li­chen Gesetz nicht gerecht wird.

Ich fin­de es immer wie­der erschre­ckend, wie sehr ein US-Präsident gegen gel­ten­des Recht ver­sto­ßen kann, ohne dass er mit Konsequenzen zu rech­nen hät­te. Und genau das zei­gen die bei­den Künstler ein ums ande­re Mal, denn Donald Trump und sei­ne Schergen las­sen nicht nach, für aus­rei­chend Futter zu sor­gen.

Dieses Buch ist so auf­ge­baut, dass die Künstler zuerst in Form eines Interviews zu Wort kom­men, was dann auf den Folgeseiten als Karikaturen gezeigt wird, die in den ver­schie­de­nen Medien ver­öf­fent­licht wur­den. Und meist tref­fen sie in der Tat den Nagel auf dem Kopf. Es gibt nur weni­ge Karikaturen, die wenig ver­ständ­lich oder schlecht gemacht wur­den. Leider muss man ja sagen, denn es ist zuneh­mend erschre­ckend, was in den USA mitt­ler­wei­le pas­siert. Es wer­den nicht nur mir nichts, die nichts, Zölle erho­ben oder Einwanderer von ihren Familien getrennt, und nach Hause geschickt, wäh­rend die Kinder zurück­blei­ben oder aber die Rechte der Frauen wer­den mas­siv beschnit­ten. Sozusagen als De-Emanzipation.

Aber es gibt auch die Stimmen, die sich erhe­ben und die ver­su­chen sich gegen die­se Willkürherrschaft zu stem­men. So wie die bei­den Künstler, die in die­sem Buch sehr deut­lich und sehr treff­si­cher zei­gen, wie die USA sich lang­sam aber sicher in einen nächs­ten tota­li­tä­ren Staat ver­wan­deln.

Beide Künstler sind im Netz mit ihren Werken ver­tre­ten: Ann Telnaes und Patrick Chappatte. Beides sind unbe­zahl­te Infolinks.

cover

Titel: Zensur in Amerika: Ein Dialog in Wort und Bild zwi­schen den Ex-Karikaturisten der New York Times und der Washington Post
Autor & Illustrator: Telnaes, Ann; Chappatte, Patrick
Genre: Graphic Novel / Humor / Karikatur
Seitenzahl: 224
Verlag: Splitter Verlag
Band: 1 von 1

Originaltitel: Censure en Amérique
Übersetzer: Anne Bergen
Herkunft: Frankreich
Jahr: 2025 / 2026 (org./dt.)

In mei­ner per­sön­li­chen Übersicht der emp­feh­lens­wer­ten Comics und Graphic Novels fin­den sich vie­le lesens­wer­te und zum Teil sehr beein­dru­cken­de Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.

Mehr Infos zu die­sem Buch fin­det sich auf der Website des Splitter Verlags.

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Dieses Buch wur­de mir freund­li­cher­wei­se in elek­tro­ni­scher Form vom Verlag zur Verfügung gestellt. Weitere Hinweise zu Rezensionsexemplaren fin­den sich im Bereich “Über die­sen Blog”.

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