Das Gemälde „Salvator mundi“ ist das bis heute teuerste versteigerte Gemälde der Welt. Es wurde am 15.11.2017 bei Christie’s in New York für 450,3 Millionen USD verkauft. Wie sehr sich das Auktionshaus und andere an der Auktion Beteiligte an einer solchen Versteigerung bereichern, wird an dem Gebot von 400 Millionen USD deutlich. Aber darum soll es in dieser Graphic Novel nicht gehen. Hier geht es um den Kunsthandel und um diplomatische Spannungen zwischen Frankreich und Saudi-Arabien, denn es geht hier um das vermeintlich letzte Werk von Leonardo da Vinci.
Ich glaube, dass ein Satz aus einem Dialog auf Seite 39 dieser Graphic Novel die Essenz dieser ganzen Geschichte auf den Punkt bringt. „Der Kunstmarkt ist undurchsichtig … unreguliert. In dieser Szene wird viel gemauschelt und getäuscht.“
Bei einem Werk aus dem 15. Jahrhundert liegt es auf der Hand, dass die Echtheit nur schwer bewiesen werden kann. Die Ergebnisse der Recherche von Antoine Vitkine, dem Autor und Regisseur der Dokumentation „Der letzte Da Vinci – das teuerste Kunstwerk der Welt“, und des Investigativjournalisten Sébastien Borgeaud zeigen, dass es gar nicht immer auf die Wahrheit ankommt, denn oftmals stehen andere Interessen im Vordergrund. Wie immer geht es um Einfluss, Macht, Geltungssucht und natürlich um das liebe Geld.
Die Autoren dieser Graphic Novel haben ihre journalistische Tätigkeit fortgeführt und bis 2024 diesen Fall weiterverfolgt, was schlussendlich in diesem Buch endete. Selbst der Weg aus dem 15. Jahrhundert in die Neuzeit ist umstritten. Die Autoren springen in der Zeit hin und her, um einen Spannungsbogen zu erzeugen. Was ihnen auch gelingt. So werden nach und nach Details hervorgebracht, die zeigen, wie das Werk seinen Weg durch die Kunstszene ging, bis es am Ende durch eine kluge sensationsheischende PR-Kampagne durch das Auktionshaus Christie’s mit maximalem Profit verkauft wurde.
Der Leser dieser Graphic Novel muss an einem solchen Drama interessiert sein, in dem gezeigt wird, wie in der Kunstszene scheinbar jeder jeden betrügen möchte bzw. sich selbst bereichern, aber auch wie es hinter den Kulissen zugeht und wie dort die Fäden gezogen werden.
In Szene setzen durfte diese Geschichte der Comiczeichner Éric Liberge, der in meinen Augen ein sehr ansprechendes Ergebnis erzeugt hat. Die Zeichnungen sind durchweg gut gelungen und vermitteln genau das, worauf es den Autoren ankommt. Hier und da dürfte er sich offenbar ein wenig austoben, so dass er manchmal einen sehr surrealistischen Stil hat mit einfließen lassen. Und das auf eine sehr gelungene Art und Weise.
Der Verbleib des Gemäldes ist bis heute unklar, aber vermutlich wird der Käufer des Gemäldes, der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman, es irgendwo lagern, auf den günstigen Moment wartend, es spektakulär der Welt zu präsentieren. Wer weiß, vielleicht wird bei der WM 2034 in Saudi-Arabien ein solcher Moment kommen?
Die Frage an die KI
Die Leser meines Blogs wissen, dass ich gerne mit den KI-Modellen spiele und habe ihnen folgende Frage gestellt. „Welche Bedeutung hat die Kristallkugel in Leonardos Salvator Mundi?“
Als Antwort kam eine entsprechende Ausführung, auf die ich später eingehe. Mein zweiter Prompt war anschließend dieser:
„Du schreibst Deine Ausführungen so, als wäre es gesichert, dass dieses Werk von Leonardo stammt. Könnte die Kugel in diesem Zusammenhang vielleicht noch eine andere Bedeutung haben?“
Und tatsächlich rudert die KI mit ihrer Argumentation um. Erst jetzt rückt sie mit folgendem Satz heraus:
„Das ist ein berechtigter Einwand. Tatsächlich habe ich mich in meiner ersten Antwort der Einfachheit halber der traditionellen Zuschreibung angeschlossen. Die Urheberschaft des Gemäldes ist jedoch umstritten, und diese Unsicherheit sollte man bei der Interpretation berücksichtigen.“
Ich bin ja der Meinung, dass eine intelligente KI das direkt bei der ersten Antwort berücksichtigen sollte. An solchen Antworten sieht man meines Erachtens, wie ausbaufähig die Modelle sind.
Die Kugel ist deshalb interessant, weil sie durchscheinend ist, aber keine optische Verzerrung verursacht. Sie ist untypisch für eine Darstellung z.B. als Weltenkugel, weshalb die Interpretationen sehr weitläufig sind. Letzten Endes kann diese Kugel alles sein. Ihr dürft da selbst kreativ werden. Sie ist zudem sowohl ein Beweis dafür, dass das Werk von Leonardo da Vinci stammt, wie sie gleichzeitig ein Beweis dagegen ist.
Hier aber noch das Fazit einer der KI-Modelle zu dieser Kugel, erzeugt von ChatGPT basierend auf GPT‑5.5 am 08.07.2026:
Die Kugel dürfte mehrere Bedeutungsebenen zugleich besitzen:
- Traditionell: Symbol der Weltherrschaft Christi.
- Material: Kristall als Zeichen von Reinheit und göttlicher Vollkommenheit.
- Wissenschaftlich: Ein bewusst gewähltes Objekt, das Leonardos Interesse an Optik widerspiegelt.
- Künstlerisch: Wahrscheinlich absichtlich ohne starke Lichtbrechung dargestellt, obwohl Leonardo die Physik dahinter vermutlich kannte.
Gerade diese Verbindung von religiöser Symbolik, naturwissenschaftlicher Beobachtung und bewusstem künstlerischem Eingriff macht die Kristallkugel zu einem der faszinierendsten Details des Gemäldes.
[…]Die Kugel erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig:
- Sie knüpft an den traditionellen Herrschaftsapfel an.
- Durch ihre Transparenz verweist sie auf Reinheit und das Himmlische.
- Sie vermeidet bewusst das Bild eines weltlichen Herrschers mit goldenem Reichsapfel.
Titel: Salvator Mundi: Das teuerste Gemälde der Welt und das Geschäft mit der Kunst
Autor: Vitkine, Antoine; Borgeaud, Sébastien
Illustrator: Liberge, Éric
Genre: Kunst
Seitenzahl: 96
Verlag: Knesebeck
Originaltitel: Salvator Mundi: La folle histoire du tableau le plus cher du monde
Übersetzer: Sarah Pasquay
Herkunft: Frankreich
Jahr: 2025 / 2026 (org./dt.)
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