[Manga] Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft 1

Heute vor 40 Jahren ereig­ne­te sich am 26.04.1986 mit der Explosion eines Atomreaktors in Tschernobyl einer der fol­gen­schwers­ten Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Mehrere Millionen Menschen wur­den direkt von der Katastrophe beein­flusst, ver­lo­ren ihre Leben oder muss­ten mit schwers­ten Erkrankungen leben. Dieser Manga ist eine Romanadaption des gleich­na­mi­gen Romans von Swetlana Alexijewitsch, der 2019 auf Deutsch erschie­nen ist.

In die­sem ers­ten Teil der Manga-Reihe wer­den fünf Schicksale vor­ge­stellt. Ein jedes steht sinn­bild­lich für vie­le ande­re Menschen, die die Katastrophe auf unter­schied­lichs­te Art und Weise erlebt haben. Sei es als Ersthelfer, als Angehörige oder Nachkomme von Betroffenen. Dieser Manga zeigt Schicksale, die betrof­fen machen und die zei­gen, wie ein tota­li­tä­res System auf eine sol­che Katastrophe reagiert.

In die­sem Manga spielt weni­ger eine Rolle, wie es dazu gekom­men ist. Dadurch, dass in den ein­zel­nen Erzählungen immer wie­der davon die Rede ist, dass der Westen da sei­ne Finger im Spiel hat­te, könn­te ein fal­sches Bild ent­ste­hen. Heutzutage wur­de sehr detail­liert rekon­stru­iert, was damals pas­sier­te, und wie es zu die­ser Katastrophe kam. Das hät­te man viel­leicht etwas deut­li­cher zei­gen kön­nen.

Obwohl in die­sen Geschichten so viel Tod und Verderben liegt, so zei­gen sie doch auch ein stück­weit Hoffnung, die die Menschen in ihren Herzen tru­gen bzw. bis heu­te tra­gen, denn eine sol­che Katastrophe hat natür­lich bis heu­te Auswirkungen auf das Leben in die­ser Region. (Während des rus­si­schen Angriffkriegs auf die Ukraine wur­de der neu­ge­bau­te Sarkophag getrof­fen, bis die Kriegstreiber davon über­zeugt wer­den konn­ten, dass es viel­leicht kei­ne so gute Idee ist, Tschernobyl zu atta­ckie­ren. Aber dies spielt in die­sem Manga kei­ne Rolle.)

Ich fin­de eine Erinnerungskultur wich­tig und fin­de es gut, dass nicht nur eine Schriftstellerin sich dem ange­nom­men hat, son­dern auch von der japa­ni­schen Künstlerin Yuta Kumagai als Manga adap­tiert wur­de.

Dieser Manga wird für Jugendliche ab etwa 15 Jahren emp­foh­len, da er ver­stö­ren­de Szenen zeigt. Im japa­ni­schen Original sind bis­her drei Teile ver­öf­fent­licht wor­den, womit die Adaption aber noch nicht been­det ist. Diese drei Teile wer­den auch ihren Weg nach Deutschland fin­den. Teil 2 wird aller Voraussicht nach am 28. Juli 2026 und Teil 3 am 11. Januar 2027 erschei­nen.

cover

Titel: Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft 1
Autor: Alexijewitsch, Swetlana; Kumagai, Yuta
Illustrator: Kumagai, Yuta
Genre: Manga
Seitenzahl: 194
Verlag: Carlsen Verlag
Band: 1 von ?

Originaltitel: Chernobyl No Nori 
Übersetzer: Martin Gericke
Herkunft: Japan
Jahr: 2024 / 2026 (org./dt.)

In mei­ner per­sön­li­chen Übersicht der emp­feh­lens­wer­ten Comics und Graphic Novels fin­den sich vie­le lesens­wer­te und zum Teil sehr beein­dru­cken­de Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.

Diese Graphic Novel beim Carlsen Verlag. (unbe­zahl­ter Infolink)

Ich erin­ne­re mich, dass sei­ner­zeit zuerst nur spär­lich Informationen in den Westen dran­gen. Aber das Regime der UdSSR konn­te die Wahrheit nicht lan­ge hin­term Berg ver­ste­cken. Damals stieg vom Unglücksort eine gewal­ti­ge radio­ak­ti­ve Wolke auf, die bis nach Deutschland spür- und mess­bar war. Ich weiß noch, wie sehr die Menschen dar­auf bedach­ten waren, kein ein­hei­mi­sches Obst und Gemüse zu kau­fen, weil ein Fallout befürch­tet wur­de. Wer mag, kann den über­frach­te­ten Wiki-Artikel zu die­ser Katastrophe lesen oder eine der vie­len Reportagen anschau­en.

Dennoch war das Ereignis weit weg und betraf das Leben in West-Deutschland nur bedingt. So wie der Ukraine-Krieg heut­zu­ta­ge. Zudem war ich ein Jugendlicher, der mit sei­ner eige­nen Pubertät zu tun hat­te und wenig dar­um gab, was „irgend­wo im Osten“ pas­sier­te. Heute wird mir bewusst, dass ich ein Zeitzeuge bin, der sei­ne Erfahrung an die Generation mei­ner eige­nen Kinder wei­ter­gibt.

Übrigens ist bis heu­te umstrit­ten, wie vie­le Menschen der Katastrophe zum Opfer fie­len, da man sich nicht dar­auf ver­stän­di­gen kann, wel­cher Tod ein­deu­tig eine Strahlenbelastung als Ursache hat­te. Wer aber auch Krebsfälle hin­zu­zieht, die deut­lich über der übli­chen Erkrankungsrate lie­gen, zählt bis zu 900.000 Todesfälle.

Wen das Thema tief­grei­fen­der inter­es­siert, soll­te sich den Podcast Quarks Science Cops Folge 125 anhö­ren.

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Die Romanvorlage “Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft” von Swetlana Alexijewitsch erschien am 10. April 2019 im Suhrkamp Verlag (Link zum Buch).

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