[Meinung] Über Rezensionsexemplare

Ich lese nicht, weil mein Bücherregal so leer ist und gefüllt werden möchte. Ich lese nicht, um einen Blog führen zu können. Ich lese nicht, um damit anzugeben, wieviel ich doch lese. Ich lese auch nicht, um mir ein zweites berufliches Standbein aufzubauen, um “irgendwas mit Büchern” zu machen.

Ergo kann ich nicht verstehen, wie jemand Rezensionsexemplaren nacheifert oder gar giert und dann enttäuscht ist, wenn er nicht die gebundene Ausgabe des neusten Romans vom Verlag des Vertrauens zugesendet bekommt. Auch kann ich nicht versteht, weswegen man auf andere Leser eifersüchtig oder neidisch sein kann, wenn diese eben solche Bücher von Verlagen erhalten.

Da ich kein Bücherregal füllen möchte (es aber dennoch immer wieder neue Bücher sieht … ich weiß gar nicht, wo die immer herkommen), lese ich bevorzugt E-Books. Das gilt insbesondere für Rezensionsexemplare. Warum? Weil ich viel unterwegs lese und gern wenig Ballast herumtrage. Und weil ich ein E-Book auf verschiedenen Geräten lesen kann. Und weil ein E-Reader nicht nur nachts leuchtet, sondern auch die Schriftgröße ändern kann (ja, so ist das, wenn man älter wird).

Als E-Book-Leser habe ich nicht nur hinsichtlich der Leseerfahrung Vorteile, sondern auch hinsichtlich der Resensionsexemplare. Denn beinahe alle Bücher, die ich anfrage, erhalte ich als Leseexemplar. Wer also nur nach kostenlosen Büchern giert, sollte E-Books lesen – das Kontingent ist bei E-Books einfach größer. Nur machen sich diese nicht so schön im Regal.

Bloggen für Rezensionsexemplare

Und schon bin ich beim eigentlichen Kerngedanken dieses Beitrags. Ist es verwehrflich, dass es Blogger gibt, die nur deshalb bloggen, um Zugriff auf Rezensionsexemplare zu bekommen? Auch wenn es nicht mein persönliches Hauptanliegen ist, so sehe ich nicht, was dagegen spricht, solange sich der Blogger an die Spielregeln halten.

Ich gebe tatsächlich schon recht viel Geld für mein Hobby aus und ich würde sicherlich nicht so viel lesen, wenn ich nicht zusätzlich Rezensionsexemplare beziehen würde.

Natürlich treibe ich es ein wenig auf die Spitze, wenn ich sage, dass es Blogger gibt, die nur deshalb bloggen, um an Bücher zu kommen, für sie nichts zahlen müssen.
Nun habe ich allerdings schon zwei Einschränkungen genannt. Zum einen habe ich das Wort “Spielregeln” verwendet und zum anderen habe ich die Worte “kostenfrei” und “kostenlos” vermieden und ich gehe jetzt mal davon aus, dass dies ohne weitere Erklärung verständlich ist.

Erweiterung des Horizonts

Ich möchte aber noch einen Aspekt in die Runde werfen. Ohne Rezensionsexemplare würde ich sicherlich nicht in dieser Breite lesen, wie ich es jetzt tue. Bestimmte Bücher würden den Weg nicht zu mir finden. Es ist also durchaus eine Bereicherung, sich auf den unterschiedlichen Portalen zu tummeln, auf denen Verlage Bücher für Blogger und Rezensienten anbieten.

Ein kleiner Hinweis am Rande für die Jäger und Sammler: es gibt immer wieder E-Books, die für kurze Zeit kostenfrei angeboten werden. Nicht nur von Selfpublishern sondern auch von Verlagen. Und das gänzlich ohne erwartete Gegenleistung. Das sind meist Bücher, an denen Verlage schon recht gut verdient haben (diese Aussage stammt von einem Verlagsmitarbeiter und nicht von mir) und mit denen nun entweder eine Reihe oder einfach nur der Verlag promoted werden soll.

Natürlich kaufe ich noch immer Bücher, so wie vermutlich jeder interessierte Leser. Es gibt dann halt doch immer wieder Bücher, die ich gerne lesen möchte, deren Kontingent dann eben doch erschöpft ist. Oder ich stöbere irgendwo und es lacht mich ein Buch regelrecht an.

Ich persönlich finde es nicht verwerflich, wenn es Buchblogger gibt, die sich gänzlich auf das Lesen und Rezensieren konzentrieren und ihren Blog aus keinem anderen Grund führen. Weniger verstehen kann ich hingegen, wenn über Ungerechtigkeiten philosophiert wird, wie welche Verlage und Literaturplattformen ihre Leseexemplare verteilen.

 

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