[Mythologie] Gorgonia

Die grie­chi­schen Mythen haben kei­nen Ursprung und wur­den frü­her münd­lich über­lie­fert. Natürlich mit den Freiheiten der Erzähler, die alle die Texte immer wie­der ver­än­der­ten. So war in der ers­ten bekann­ten nie­der­ge­schrie­be­nen Version die­ses Mythos Medusa von Anfang an eine Gorgone. Die Handlung wur­de im Laufe der Zeit immer wie­der geän­dert, bis 1000 Jahre spä­ter die bekann­tes­te Version ent­stand, in der Medusa zuerst eine schö­ne Frau war, von Poseidon ver­ge­wal­tigt, und dann von Athene ver­flucht wur­de.

Und wer sagt, dass der Mythos nicht wei­ter ver­än­dert wer­den darf? Cristina Kokoro und Eleonora Gatta bedie­nen sich nicht nur der Versionen aus bei­den Variationen, son­dern erwei­tern sie zu einer Liebesgeschichte. Tja, ich hat­te nur bis Perseus und Medusa in der Vorschau des Panini-Verlags gele­sen und bin nicht mehr bis zu dem Punkt gekom­men, in dem geschrie­ben steht, dass es sich um eine Boys-Love-Geschichte han­delt. Damit das funk­tio­niert, muss das Geschlecht der Medusa geän­dert wer­den, was sich schon recht merk­wür­dig liest. Außerdem haben die Autorinnen eine wei­te­re Person hin­zu­ge­dich­tet. Koral ist ein Junge, der blind gebo­ren wur­de. Wer die gän­gi­ge Geschichte kennt, wird bei­des direkt ein­zu­ord­nen wis­sen.

Die Erzählung beginnt mit der Zeugung der Kinder und deren Aufwachsen, wes­halb sich die ers­ten Seiten wie eine Coming-of-Age-Geschichte lesen, wobei schon dort klar wird, dass es kei­ne Spannung und auch kei­ne Wendungen gibt. Die Autorinnen blei­ben bei der Liebesgeschichte, die sich nach und nach ent­wi­ckelt, wes­halb vor allem der Mittelteil span­nungs­arm und vor­her­seh­bar ist. Die Götter haben natür­lich wei­ter­hin ihre Hände im Spiel, wobei das Trio Poseidon, Athene und Hermes den meis­ten Einfluss neh­men.

Wenig ver­ständ­lich ist der Teil, als Medusa ver­flucht wird. Dieser bleibt ver­bor­gen und es wird gar nicht klar, wes­halb er ver­flucht wird. Allerdings kommt die­ser Teil sehr spät im Buch, was schon zeigt, wo der Manga sei­nen Schwerpunkt legt.

Es heißt zwar Manga, aber das Buch ist durch­ge­hend kolo­riert und wird wie bei uns in der west­li­chen Welt üblich von links nach rechts gele­sen. Keine Ahnung, war­um es als Manga und nicht als Graphic Novel bezeich­net wird. Auch wer­den die Figuren alle sehr weich gezeich­net. Vor allem die drei Jungs sehen zuwei­len sehr divers aus und las­sen sich kei­nem Geschlecht zuord­nen.

Ich fand die Idee mit Koral gar nicht mal so schlecht und auch die Modifikation der bekann­ten Version die­ses Mythos gehen für mich in Ordnung. Es fehl­te aber ein wenig Abwechslung und Spannung. Auch war die Geschichte zu vor­her­seh­bar und vor allem der Mittelteil zu sehr auf den Boys-Love-Aspekt fokus­siert. Ich glau­be, dass es der Geschichte bes­ser getan hät­te, wenn hier mehr Mythos und weni­ger Liebe ein­ge­baut wor­den wäre. Zu Beginn konn­te die Geschichte ja auch auf einem ande­ren Fokus erzählt wer­den. Wer sich in die­sem Boys-Love-Genre hei­misch fühlt, wird mit die­sem Manga sicher­lich einen guten Vertreter sei­nes Genres in den Händen hal­ten.

cover

Titel: Gorgonia – Von Mythen, Göttern und Schicksal
Autor&Illustrator: Kokoro, Cristina; Gatta, Eleonora
Genre: Coming of Age / Boys Love / Mythologie
Seitenzahl: 416
Verlag: Panini Verlag
Band: 1 von 1

Originaltitel: Gorgonia
Übersetzer: Henrieke Markert
Herkunft: Italien
Jahr: 2025 / 2026 (org./dt.)

In mei­ner per­sön­li­chen Übersicht der emp­feh­lens­wer­ten Comics und Graphic Novels fin­den sich vie­le lesens­wer­te und zum Teil sehr beein­dru­cken­de Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.

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