[Psychologie] Wir sind Dynamit

Es gibt kaum ein Buch, in dem ich der­art viel Zustimmung ent­de­cken konn­te, wie in die­sem Buch. Das liegt haupt­säch­lich dar­an, dass ich ein extre­mer Innenmensch bin. Es gibt bekannt­lich sel­ten zu 100% ext­ro- bzw. intro­ver­tier­te Menschen. Selten heißt eben nicht gar nicht.

Dieses Buch rich­tet sich aller­dings mei­nes Erachtens in ers­ter Linie nicht an intro­ver­tier­te Menschen, auch wenn durch die­ses Buch eine Art Gemeinschaftsgefühl ent­steht. Getreu dem Motto “Ich bin nicht allei­ne”. Wichtiger wäre es aber, wenn die extro­ver­tier­ten Entscheidungsträger die­ses Buch in die Hand bekom­men, damit sie die Räume schaf­fen, die die Innenmenschen brau­chen.

Den Begriff des „Innenmenschen“ ver­wen­det übri­gens Juliane Marie Schreiber lie­ber als den „Introvertierten“, auf der ande­ren Seite gibt es nicht den „Außenmenschen“, dafür aber den „Extrovertierten“. Aber das ist eher Geschmackssache. Auch ist die­se Schwarz-Weiß-Sicht für die­ses Buch nicht ange­bracht, denn es gibt nicht nur die bei­den Extreme, wor­auf die Autorin lei­der nicht ein­geht. Leider benutzt die Autorin teil­wei­se selbst ste­reo­ty­pe Klassifizierungen, die sie an ande­rer Stelle ablehnt. Hier fehlt die Konsistenz inner­halb ihrer eige­nen Aussagen.

Die Autorin benutzt pro­mi­nen­te Introvertierte, um zu ver­deut­li­chen, wes­halb es ein sol­ches Buch über­haupt geben muss. Mag sein, dass die­ser Part so man­chem etwas zu aus­führ­lich aus­ge­fal­len ist. Ich neh­me es der Autorin nicht krumm, dass hier und da ein paar Dopplungen auf­tau­chen. Dafür tritt sie zu oft den Nagel auf den Kopf. Das gilt vor allem für das ers­te Drittel des Buchs. Welcher extro­ver­tier­te Mensch kann sich vor­stel­len, wel­che Qualen intro­ver­tier­te Menschen bei den zahl­rei­chen (erzwun­ge­nen) Gruppenarbeiten erle­ben, die von der Kita bis ins Berufsleben all­ge­gen­wär­tig sind? Wer kann sich vor­stel­len, dass selbst Videotelefonie ein Problem ist, so dass es den Begriff der »Zoom-Fatigue« her­vor­ge­bracht hat?

Bei 39% des eBooks stellt die Autorin herr­lich zusam­men, wie Introvertierte auf „Standardsprüche“ der Extrovertierten reagie­ren kön­nen:
Komm doch mal mehr aus dir raus! – Bleib du doch mal mehr in dir drin.
Du bist viel zu oft allein! – Ja, und es ist groß­ar­tig. Versuch du es doch auch mal.
Du bist immer so still! – Nein. Du bist nur immer so laut.

Dieses Zitat zeigt, mit wel­cher Leichtigkeit und Witz die Autorin beschreibt, was das Problem an unse­rer lau­ten extro­ver­tier­ten Gesellschaft bzw. west­li­chen Weltordnung ist. Denn sie führt immer wei­ter aus, wie den Introvertierten das Leben schwer­ge­macht wur­de und wird, aber auch, wel­che Auswirkungen das auf unse­re Weltwirtschaft und Weltfrieden hat.

Deshalb lie­be extro­ver­tier­te Mitmenschen: Lest die­ses Buch, und seht über die klei­nen Mängel in der Darstellung der Intro- und Extrovertierten hin­weg.

cover

Titel: Wir sind Dynamit: Ein Manifest für Introvertierte in einer Welt der Selbstdarstellung
Autor: Schreiber, Juliane Marie
Genre: Psychologie
Seitenzahl: 208
Verlag: Piper Verlag

Herkunft: Deutschland
Jahr: 2026

Dieses Buch wur­de mir über die Plattform Netgalley als E‑Book zur Verfügung gestellt. NetGalley gibt kei­ner­lei Vorgaben über die Art und Weise, wie Bücher bewer­tet oder vor­ge­stellt wer­den. Mehr Infos dazu auf der Seite “Über die­sen Blog”.

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