[Ratgeber] Chronisch krank und trotzdem glücklich

Es heißt, dass jeder chro­nisch kran­ke Mensch gut dar­an tut, selbst Experte für sei­ne Erkrankung  zu wer­den. Je sel­te­ner die­se Erkrankung ist, umso emp­feh­lens­wer­ter ist die­se Aussage. Leider steht die­se aber im Widerspruch zu den Aussagen, die sich in die­sem Buch fin­den. Außerdem wer­den ande­re Aspekte voll­kom­men außer Acht gelas­sen. Dass z.B. Kinder, die mit einer spi­na­len Muskelatrophie leben, heut­zu­ta­ge deut­lich älter wer­den, liegt nicht dar­an, dass sie eine posi­ti­ve­re Lebenseinstellung haben, son­dern weil die Pharmaindustrie in den letz­ten Jahren gro­ße Fortschritte gemacht hat. Ist also das, was Gabriele Eßing in die­sem Buch schreibt, alles Quatsch?

Nein, ist es bestimmt nicht, aber in mei­nen Augen ist es ein wenig zu eupho­risch mit einer Tendenz zum Esoterischen geschrie­ben. Natürlich kön­nen see­li­sche Probleme kör­per­lich krank machen und es gibt sicher­lich eini­ge Fälle, in denen sich dar­aus eine chro­ni­sche Erkrankung ent­wi­ckelt. Die Autorin führt vie­le Beispiele an, in denen Betroffene ihre Erkrankung durch eine unge­sun­de Lebenseinstellung ver­schlim­mern. Klar gibt es die­se Fälle. Was aber mich an sol­chen Büchern stört, ist die Pauschalisierung.

Vor allem, wenn die Autorin kon­kre­te Tipps gibt, wie man als betrof­fe­ner chro­nisch kran­ker Mensch mit sei­ner Erkrankung bes­ser leben kann, pas­sen die­se sel­ten. Mir sind immer wie­der frag­wür­di­ge Beispiele auf­ge­fal­len, wenn z.B. die Partnerin eines Querschnittsgelähmten eine sexu­el­le Erfüllung bei jemand ande­rem fin­det. Zumal eine Querschnittslähmung kei­ne chro­ni­sche Erkrankung ist.

Auch feh­len mir die Aspekte der Partnerschaft und der Umgang mit den Angehörigen. Die Partner der betrof­fe­nen Menschen wer­den in die­sem Buch nur indi­rekt mit ins Boot geholt. Ein Kapitel über den Umgang ande­rer Menschen im Umfeld des chro­nisch Kranken, fehlt lei­der. Dabei haben die­se einen wesent­li­chen und oft­mals ent­schei­den­den Einfluss auf das Leben bzw. die Lebensgestaltung.

Mich hat die­ses Buch lei­der nicht wei­ter­ge­bracht und es gab kei­ner­lei hilf­rei­che hand­fes­te Tipps oder Anregungen, wie ich mit mei­ner chro­ni­schen Erkrankung bes­ser umge­he und wie ich von mei­nem direk­ten Umfeld ein biss­chen mehr Verständnis ent­lo­cken kann. Vielleicht fin­den Menschen, die mit einer nicht ange­bo­re­nen Erkrankung leben, hier ein paar Tipps, die sie anwen­den kön­nen.

Ich bin ein Freund von Peer-to-Peer-Netzwerken, in denen Betroffene ande­ren Betroffenen Erfahrungstipps geben. Es gibt für jedes Krankheitsbild ein sol­ches Netzwerk, selbst wenn eine Diagnose nicht erfolg­reich ist. Eine ein­fa­che Suche im Netz wird eini­ge Gruppen anzei­gen. Über ein sol­ches Netzwerk für neu­ro­mus­ku­lä­re Erkrankungen schrei­be ich auf mei­nem Schwesterblog.

cover

Titel: Chronisch krank und trotz­dem glück­lich
Autor: Eßing, Gabriele
Genre: Ratgeber
Seitenzahl: 160
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag

Herkunft: Deutschland
Jahr: 2026

Dieses Buch wur­de mir über die Plattform Netgalley als E‑Book zur Verfügung gestellt. NetGalley gibt kei­ner­lei Vorgaben über die Art und Weise, wie Bücher bewer­tet oder vor­ge­stellt wer­den. Mehr Infos dazu auf der Seite “Über die­sen Blog”.

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2 Kommentare

  1. Der Rezensent kri­ti­siert, was alles in mei­nem Buch fehlt, (Errungenschaften der Pharmaindustrie, Experte für die eige­ne Krankheit wer­den, Verständnis bei den Bezugspersonen für die eige­ne Krankheit wecken). Das alles kann man schrei­ben. Das Thema mei­nes Buches ist aber ein ande­res: In mei­nem Buch geht es um psy­cho­lo­gi­sche Strategien, mit denen Betroffene selbst chro­ni­schen Krankheiten begeg­nen kön­nen, so dass – trotz der Erkrankung – ein glück­li­ches Leben mög­lich ist. Die Ursache kör­per­li­cher Krankheiten sehe ich auch nicht pau­schal in see­li­schen Problemen (wie der Rezensent unter­stellt). Dass aber die Seele auf den Körper wirkt, ist heu­te wohl kaum noch zu bestrei­ten.
    Der Rezensent schreibt über „sol­che Bücher“ (also all­ge­mein Bücher wie mein Buch mit psy­cho­lo­gi­schen Selbsthilfestrategien zur Krankheitsbewältigung), die ihm nicht gefal­len. Meine Beispiele fin­det er unpas­send. Nun stam­men die Beispiele aber aus mei­ner Praxis, sie sind real (oder der Literatur ent­nom­men). Was bleibt ist der spür­ba­re Ärger des Rezensenten, dem offen­bar der psy­cho­lo­gi­sche Zugang zur Krankheitsbewältigung nicht behagt.

    1. Guten Tag Frau Eßing,
      es freut mich, wenn Autoren den Weg auf mei­nen Blog fin­den, auch wenn wir bei­de uns weni­ger eini­ge sind, wie das Buch zu ver­ste­hen ist. Jetzt kann man natür­lich ver­su­chen her­aus­zu­fin­den oder zu phi­lo­so­phie­ren, wor­an es liegt, dass die Botschaft aus einem Buch den Leser nicht in dem Maße erreicht wie vom Autor erhofft. Meiner beschei­den­den Erfahrung nach führt das aller­dings weder auf der einen, noch auf der ande­ren Seite zu irgend­ei­nem Erfolg.
      Es freut mich zu hören, dass Sie Ihren Patienten mit Ihren Strategien hel­fen kön­nen und hof­fe, dass das Buch die Leserschaft erreicht, die Sie errei­chen woll­ten.

      Herzliche Grüße
      Der Rezensent
      des­sen Pseudonym im Blogtitel und des­sen Name im Impressum zu fin­den ist.

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