[Sport] Eine kurze Geschichte des Fußballs

Es klingt nach Hohn, dass in den Statuten der FIFA steht, dass der Verband in poli­ti­schen und reli­giö­sen Angelegenheiten strikt neu­tral blei­ben muss. Denn weder ist die FIFA im Besonderen noch der Fußball im Allgemeinen unpo­li­tisch. Genau das Gegenteil ist der Fall. Jean-Christophe Deveney und Mickaël Correia erzäh­len in die­ser Graphic Novel von der Geschichte des moder­nen Fußballs.

Es gab in der Geschichte der Menschheit wei­te­re Formen des Fußballs, die auch schon weit vor der Entstehung die­ses Sports in Westeuropa gespielt wur­den. Eine Verbindung lässt sich aller­dings nicht her­stel­len. Der Ursprung ist in England zu fin­den. Dort haben zuerst gan­ze Dörfer bzw. Dorfgemeinschaften gegen­ein­an­der gespielt und es wur­den die gesell­schaft­li­chen Stände dafür aus­ge­ho­ben. So ganz genau kann ich mir das zwar nicht vor­stel­len, wie sol­che Spiele, die zuwei­len über meh­re­re Tage aus­ge­tra­gen wur­den, aus­ge­tra­gen wur­den.

Durch das länd­li­che Bürgertum und der Privatisierung von Grund und Boden konn­te der Sport nicht mehr zwi­schen den Dörfern aus­ge­tra­gen wer­den, son­dern er ver­la­ger­te sich in die Elite-Unis Englands. Und auch hier ent­wi­ckel­te sich der Sport vor dem Hintergrund poli­ti­scher und gesell­schaft­li­cher Gegebenheiten, bis zur Industrialisierung. Es ist schon inter­es­sant zu sehen, wie die Kolonialisierung Englands den Fußball in die Welt getra­gen hat­te, wo er sich (immer noch vor dem Hintergrund unter­schied­li­cher poli­ti­scher Systeme) ganz unter­schied­lich aus­brei­te­te.

Ab die­sem Punkt schau­en die Autoren nicht mehr auf den Fußball im Allgemeinen, son­dern schau­en sich ein­zel­ne Sonderfälle an, wobei sie zuerst auf ein­zel­ne Länder und spä­ter auf ein­zel­ne her­aus­ra­gen­de Persönlichkeiten, die in mei­nen Augen etwas unpas­send sind, denn der Fußball hat noch viel mehr schil­lern­de Figuren her­vor­ge­bracht, die man auch ganz gut in ein eige­nes Buch hät­te unter­brin­gen kön­nen.

Sehr inter­es­sant auch die Rolle des Frauenfußballs, der zuerst ein kur­zes Intermezzo hat­te, dann ver­bo­ten wur­de, nur um dann wie­der reha­bi­li­tiert zu wer­den, bis er sich in der Modernen eta­blie­ren konn­te, wor­auf die Autoren aber nicht mehr ein­ge­hen.

Die Geschichte des moder­nen Fußballs ist sicher­lich inter­es­sant und bis heu­te von Korruption und Machtspielen beherrscht, wor­auf die Autoren auch immer wie­der ein­ge­hen. Allerdings hät­ten sie mei­nes Erachtens etwas eher einen Schlussstrich zie­hen müs­sen oder aber die Moderne nicht so frag­men­ta­risch dar­stel­len sol­len. Denn hier krankt das Buch, das ja schon im Titel das Wort „kurz“ ent­hält. Die kur­ze Geschichte des Fußballs ist gut dar­ge­stellt, die Fragmentierung der Neuzeit wirkt hin­ge­gen stö­rend.

cover

Titel: Eine kur­ze Geschichte des Fußballs
Autor: Deveney, Jean-Christophe; Correia, Mickaël
Illustrator: Bonaccorso, Lelio
Genre: Sach-Graphic-Novel
Seitenzahl: 144
Verlag: Splitter Verlag
Band: 1 von 1

Originaltitel: Une his­toire popu­lai­re du foot­ball
Übersetzer: Harald Sachse
Herkunft: Frankreich
Jahr: 2025 / 2026 (org./dt.)

In mei­ner per­sön­li­chen Übersicht der emp­feh­lens­wer­ten Comics und Graphic Novels fin­den sich vie­le lesens­wer­te und zum Teil sehr beein­dru­cken­de Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.

Mehr Infos zu die­sem Buch fin­det sich auf der Website des Splitter Verlags.

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