Der Begriff „Hiraeth“ stammt aus dem Walisischen und beschreibt das Gefühl einer inneren Unvollständigkeit, das entsteht, wenn man sich einer schmerzhaften Leerstelle im eigenen Leben bewusst wird. Das Wort lässt sich nicht ins Deutsche übersetzen, weil es kein passendes Wort dafür gibt. Es kann sich auf etwas beziehen, das man hinter sich gelassen hat, wie z.B. ein Zuhause, ein vertrautes Gefühl von Zugehörigkeit oder einen längst aufgegebenen Traum.
Ebenso kann es ein Ideal sein, das nur in der Vorstellung existiert und niemals Wirklichkeit werden kann, oder eine Hoffnung, die immer wieder entgleitet, während die Zeit voranschreitet. Im Kern steht „Hiraeth“ für das paradoxe Empfinden einer spürbaren Abwesenheit. Ein Zustand, in dem sich Schmerz und Sehnsucht so eng verbinden, dass sie sich kaum voneinander trennen lassen. Und warum schreibe ich hier so ausführlich über dieses Wort? Nicht nur, weil es auch die Autorin Jenny Jinya in ihrem Vorwort macht, sondern weil dieses Gefühl auch entstehen kann, wenn ein geliebtes Lebewesen die Reise in diesen Gefilden beendet hat.
Schon im ersten „Loving Reaper“-Band hat Jenny Jinya den Verlust thematisiert und gleichzeitig Tierschutz-Themen aufgegriffen. So ist auch dieser zweite Teil aufgebaut, wobei auch andere Themen Einzug gefunden haben. Wie z.B. die Erinnerung der Autorin an ihren eigenen Hund. Gekennzeichnet ist dieser Comic von prägnanten Kurzcomics, die von den großformatigen Zeichnungen der Künstlerin leben. Oftmals passen nur zwei ihrer Zeichnungen auf eine Seite, wodurch die Optik ein deutlich größeres Gewicht erhält als die Texte. Spricht die Autorin gezielt ein Tierschutzthema an, so schreibt sie kurz auf einer, maximal zwei Seiten, was sich dahinter verbirgt. Und ruft gleichzeitig dazu auf, diesen Aspekt künftig zu beachten.
Es ist ein emotional anspruchsvolles Buch, das sich mit Verlust und Trauer auseinandersetzt, weshalb ich es eher in den Händen jugendlicher Leser ab zirka 14 bis 16 Jahren sehe. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das Buch Trost für Menschen spenden kann, die einen Verlust zu verarbeiten haben. Die Kurzgeschichten haben aber auch das Potential, eine vorhandene Melancholie oder eine depressive Phase zu verstärken, so dass jene Leser sich vielleicht etwas vorsichtiger diesem Werk nähern.
Ich finde die Zeichnungen und auch die Geschichten gut gemacht, weshalb ich auch den zweiten Band empfehlenswert finde, so traurig er manchmal auch ist. Die Autorin greift aber auch wichtige Themen auf, über die es sich lohnt nachzudenken bzw. diese künftig zu beachten.
Titel: Loving Reaper – Hiraeth – Und wir blieben zurück
Autor & Illustrator: Jinya, Jenny
Genre: Tierschutz / Anthologie / Comic
Seitenzahl: 244
Verlag: Panini Verlag
Band: 1 von 1
Originaltitel: The Loving Reaper – Hiraeth
Übersetzer: Jenny Hefczyc*
Herkunft: Deutschland
Jahr: 2026
* Jenny Jinya ist zwar Deutsche, schreibt ihre Comics aber auf Englisch **
In meiner persönlichen Übersicht der empfehlenswerten Comics und Graphic Novels finden sich viele lesenswerte und zum Teil sehr beeindruckende Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.
** Was ein Mal funktioniert, funktioniert auch beim zweiten Mal, denn es ist natürlich wieder ein Scherz, denn beide Jennys sind noch immer ein und dieselbe Person
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