Die Graphic Novel Mother Nature von Jamie Lee Curtis entstand in Zusammenarbeit mit Russell Goldman und dem Zeichner Karl Stevens. Das Werk verbindet ökologische Themen mit Elementen des Horrors und des Mysterygenres und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, deren Leben durch die Machenschaften eines scheinbar umweltfreundlichen Energiekonzerns geprägt wird. Hinter dem Versprechen sauberer Energie verbirgt sich jedoch eine Wahrheit, die weit über gewöhnliche Umweltkriminalität hinausgeht.
Der Comic greift dabei ein Thema auf, das in der letzten Zeit von anderen Ereignissen der Weltgeschichte verdrängt wird. Neben dem Klimawandel steht in der Graphic Novel vor allem das Thema im Mittelpunkt, dass der Mensch skrupellos die Natur ausbeutet und dabei sehr kurzfristig denkt und in keiner Weise an die möglichen Folgen seines Handelns. In der Handlung spielen neben ökologischen Konflikten auch indigene Mythen und spirituelle Vorstellungen eine Rolle.
Trotz dieser spannenden Grundidee zeigt sich schnell das Problem, dass es erstaunlich schwerfällt, der Handlung zu folgen. Szenen wechseln teilweise abrupt, Zusammenhänge werden nur angedeutet und wichtige Hintergründe bleiben zunächst unklar. Figuren tauchen auf, verschwinden wieder und treten später erneut in Erscheinung, ohne dass ihre Beziehungen eindeutig erklärt werden. Dadurch entsteht beim Lesen immer wieder der Eindruck, dass Teile der Geschichte zwischen den Panels fehlen oder dass die Erzählung eher wie eine filmische Skizze funktioniert als wie eine vollständig ausgearbeitete Comicdramaturgie. Dazu passt, dass im Nachwort erklärt wird, dass das Buch auf einer Drehbuchvorlage basiert. Man spürt durchaus, dass hinter dem Stoff eine größere Idee steckt, doch die narrative Struktur verlangt den Lesenden einiges an Geduld und Interpretationsbereitschaft ab.
Ganz anders verhält es sich mit der visuellen Seite des Comics. Die Zeichnungen von Karl Stevens sind ohne Übertreibung über jeden Zweifel erhaben. Der realistische Stil verleiht den Figuren eine starke Präsenz und transportiert Emotionen oft wirkungsvoller als der Text. Besonders eindrucksvoll sind die atmosphärischen Darstellungen von Landschaften und Naturmotiven, die den ökologischen Kern der Geschichte visuell unterstreichen. Diese visuelle Qualität sorgt letztlich dafür, dass die Graphic Novel trotz seiner erzählerischen Schwächen interessant bleibt. Selbst wenn die Handlung gelegentlich schwer greifbar wirkt, tragen die Illustrationen die Geschichte weiter und vermitteln eine Stimmung, die zwischen ökologischer Warnung und übernatürlicher Bedrohung schwankt.
Fazit
Mother Nature ist ein Werk mit einer faszinierenden Idee und einer herausragenden künstlerischen Umsetzung, dessen größte Schwäche paradoxerweise genau dort liegt, wo Graphic Novels normalerweise ihre Stärke haben, in der klaren Verbindung von Bild und Erzählung. Wer bereit ist, sich auf eine teilweise rätselhafte Handlung einzulassen, wird mit eindrucksvollen Bildern und einer ungewöhnlichen Mischung aus Umweltthriller und Mythologie belohnt.
Achtung
Dieses Buch enthält explizite Beschreibungen von Gewalt und ist somit nicht für minderjährige oder zart besaitete Leser geeignet.
Titel: Mother Nature
Autor: Curtis, Jamie Lee; Goldman, Russel
Illustrator: Stevens, Stevens
Genre: Fantasy / Graphic Novel
Seitenzahl: 184
Verlag: Panini Verlag
Band: 1 von 1
Originaltitel: Mother Nature
Übersetzer: Sandra Kentopf
Herkunft: USA
Jahr: 2025 / 2026 (org./dt.)
In meiner persönlichen Übersicht der empfehlenswerten Comics und Graphic Novels finden sich viele lesenswerte und zum Teil sehr beeindruckende Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.
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