Schon das Cover (der älteren Ausgabe aus dem Luzifer-Verlag) vermittelt, dass es sich bei diesem Roman nicht um einen klassischen Thriller handelt, sondern dass Andreas Gruber einen Mystery-Thriller geschrieben hat, der aber einige Logiklücken aufweist.
Im Mittelpunkt des Romans steht Kommissar Alexander Körner, der gleich mehrere Ereignisse auf sich gezogen hat. Gleich zu Beginn erfährt der Leser, dass der Kommissar in Ungnade gefallen ist, weil er einen Einsatz vergeigt hat, bei dem Kollegen angeschossen wurden und der Verdächtige den Tod fand.
Um ihn aus der Schusslinie der Medien und internen Ermittlern zu ziehen, beordert seine Chefin ihn in das abgeschiedene Dorf Grein irgendwo in den österreichischen Alpen. Ein Dorf, in dem er aufgewachsen ist und in dem er sein Kindheitstrauma erlebt hat, als er zusehen musste, wie seine Eltern verbrannten.
In diesem Dorf fand ein bestialischer Mord statt, bei dem einer Frau die Rückenwirbel zerfetzt wurden. Ja, Andreas Gruber beschreibt hier und da auch einige brutalere Szenen.
Gleichzeitig wütet ein ungewöhnlich heftiges Unwetter in der Region, so dass die Flüsse schon an ihren Belastungsgrenzen sind und im Verlauf der Geschichte derart anschwellen, dass die Ermittler im Dorf festhängen und vom Rest der Welt abgeschnitten sind.
Nun, allein diese Mischung zeigt schon, dass hier und da einige Ereignisse arg konstruiert wirken, damit sie ein Horror-Szenario ergeben. Es fallen viele Zufälle aufeinander und selbst über Mobilfunk ist keiner mehr zu erreichen. Weil Ladegeräte fehlen.
Allerdings kann man dem Roman zugutehalten, dass wenn alle Unwägbarkeiten mal ausgeblendet werden, sich ein spannender Roman entwickelt, der einen endzeitlichen Charakter aufweist und nach und nach enthüllt, was es mit dem Mord auf sich hat. Und mit denen die waren und denen die kommen. Denn es wird fleißig gestorben, während die Dorfgemeinschaft sehr beharrlich ihr Geheimnis wahrt.
Fazit
Ich mag Popcorn-Kino und bin deshalb in der Lage, konstruierte Elemente und Logiklücken dem Autor nachzusehen, wenn denn der Rest der Geschichte passt. Und das trifft in diesem Fall meiner Meinung nach zu, weshalb ich den Roman jenen Lesern empfehlen kann, die gerne außergewöhnliche Horror-Thriller mögen.
Titel: Der Judas-Schrein
Autor: Gruber, Andreas
Sprecher:
Buch, Achim
Genre: Hörbuch / Horror / Thriller
Hörzeit: 15 Stunden und 2 Minuten
Verlag: Der Hörverlag
Print: zuerst: Festa dann: Luzifer nun: Goldmann
Herkunft: Deutschland
Jahr: 2005 / 2022 (Print/Hörbuch)
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