[Biografie] Wind in meinem Kopftuch

Ich habe im Laufe mei­nes Lebens zwar vie­le Menschen ken­nen­ge­lernt, deren Wurzeln nicht in Deutschland lie­gen, aber so rich­tig konn­te ich es nicht nach­emp­fin­den, wie es ist, zwi­schen die­sen Welten zu leben. Dass die­ses Gefühl selbst bei jenen zu Hause ist, die in Deutschland gebo­ren wur­den, zeigt Roya Soraya mit ihrer auto­bio­gra­fi­schen Erzählung über ihre Reise in den Iran.

Ihre Erzählung beginnt mit den ers­ten Empfindungen, die sie als Kind hat­te. Aufgewachsen als Scheidungskind pen­del­te sie zwi­schen der deut­schen und der ira­ni­schen Welt, je nach­dem, ob sie gera­de bei ihrer Mutter und ihrem Vater war. Und es liegt auf der Hand, dass die ira­ni­sche Welt für die Künstlerin fremd war, zumal sie auch die Sprache nicht ver­stand. Und so gab es die­sen klei­nen Samen in ihr, der mit Zeit ste­tig anwuchs. Der Wunsch, in den Iran zu fah­ren, um dort ihre Wurzeln ken­nen­zu­ler­nen.

Sie ist im Jahre 2019 in den Iran geflo­gen, natür­lich mit all den Berichten über die Unterdrückung der Menschen im Hinterkopf. Ich fin­de, dass sie sehr gut ihre Ängste und Sorgen ver­mit­telt hat, dass die Angst vor den Repressalien des Regimes eine hand­fes­te Angst ist und kei­ne Eventualität.

Ebenso gut geschil­dert fand ich die zwei­ge­teil­te Darstellung von ihren Erlebnissen und Empfindungen. Auf der einen Seite ein sehr schö­nes Land mit einer reich­hal­ti­gen Kultur und auf der ande­ren Seite die per­ma­nen­te Angst, irgend­et­was falsch zu machen, was immer zu dra­ko­ni­schen Strafen füh­ren kann. Auch Touristen gegen­über.

Die Graphic Novel erzählt aber nicht nur von der Reise in den Iran, son­dern auch von der Trauer Sorayas gegen­über ihrem mitt­ler­wei­le ver­stor­be­nen Vater, mit dem sie die Reise durch­ge­führt hat. Es ist sehr berüh­rend, wie die Künstlerin die Momente der Erinnerung in die Geschichte hat ein­flie­ßen las­sen. Ich kann mir sehr gut vor­stel­len, wie sehr sich die Trauer mani­fes­tiert, wenn sie über ihre Reise nach­denkt.

Im Nachwort erzählt Roya Soraya, wie sie die ers­ten grö­ße­ren Unruhen mit­er­lebt hat, die durch den gewalt­sa­men Tod von Jina Mahsa Aminis im Jahre 2022 her­vor­ge­ru­fen wur­den. Aber auch die Ereignisse, die in den Folgejahren gescha­hen, mach­ten die ein ums ande­re Mal sprach­los. Sie hat ihr Nachwort vom Januar 2026 mit fol­gen­dem Satz been­det:

Wir alle freu­en uns auf den Tag, an dem der Iran end­lich frei sein wird.

Wie wir alle wis­sen, ist lei­der genau das Gegenteil der Fall, her­vor­ge­ru­fen durch einen unbe­dach­ten Angriff Irans durch den US-Präsidenten Donald Trump, der die­sen Krieg ohne Rückhalt des ame­ri­ka­ni­schen Volks ent­fach­te, ohne sich Gedanken dar­über zu machen, was er damit bezwe­cken woll­te und wie er ihn wie­der been­den kann.

cover

Titel: Wind in mei­nem Kopftuch
Autor & Illustrator: Soraya, Roya
Genre: Autobiografie / Graphic Novel
Seitenzahl: 192
Verlag: Carlsen Verlag
Band: 1 von 1

Herkunft: Deutschland
Jahr: 2026

In mei­ner per­sön­li­chen Übersicht der emp­feh­lens­wer­ten Comics und Graphic Novels fin­den sich vie­le lesens­wer­te und zum Teil sehr beein­dru­cken­de Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.

Diese Graphic Novel beim Carlsen Verlag. (unbe­zahl­ter Infolink)

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