[Biografie] Wenn Sterne verstreut sind

Ich denke, dass sich kein Mensch vorstellen kann, wie es ist, in einem Flüchtlingscamp zu leben, wenn er es nicht selbst erlebt hat. Das gilt umso eher, je weiter man vom Geschehen entfernt ist. So wie ich, der in Deutschland in einem sozialen Gefüge lebt, das Zustände wie in Dadaab nicht zulässt, wo mehrere hunderttausend Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht irgendwie versuchen, über die Runden zu kommen.

Omar Mohamed hingegen kennt diese Welt. 15 lange Jahre verbrachte er zusammen mit seinem Bruder als Flüchtling aus Somalia in dem Flüchtlingslager in Kenia. Er erzählt in dieser Graphic Novel autobiografisch von seinen Erlebnissen aus dem Lager und wie dort für das Leben aussah. Das Leben ist sehr eintönig und besteht aus Hunger und Arbeit. Diese Eintönigkeit fließt leider teilweise in die Erzählung mit ein und nimmt dem Buch ein wenig die Spannung. Denn es ist schon interessant zu sehen, wie die Menschen irgendwie versuchen untereinander ein Auskommen zu arrangieren.

Ich finde, dass ein Punkt etwas untergeht. Die Menschen in den Lagern sehnen sich nach einer Umsiedlung in die USA, weil dort die Menschen reich und wohlhabend sind. Eine Denke, von der ich schon oft gehört habe und die auch für Europa gilt. Die Flüchtlinge in den Lagern haben keine Ahnung davon, dass sie in der westlichen Welt nicht mit offenen Armen empfangen werden und dass das Leben auch hier nicht einfach sein wird. Der Autor hat den Sprung in die USA geschafft und hat dort eine Organisation gegründet, die Flüchtlinge unterstützt. In meinen Augen sollte ein Teil darin bestehen, auch vor dieser falschen Vorstellung zu warnen.

Rein optisch und haptisch wirkt dieses Buch wie ein Comic. Durch seine Erzählstruktur und -tiefe ist es jedoch eine Graphic Novel und demnach nur für Leser zu empfehlen, die schon eine gewisse Leseerfahrung mitbringen. Jüngere Kinder und Erstleser werden von diesem Buch überfordert sein. Ich denke, dass der Leser mindestens 10 Jahre alt sein sollte, um überhaupt einschätzen zu können, welche Entbehrungen die Menschen in einem solchen Camp zu ertragen haben.

Fazit

Am Ende ist dieses Buch eine autobiografische Graphic Novel, in der der Autor davon erzählt, wie er seine Kindheit in einem der größten Flüchtlingslager der Welt verbracht hat. Wenn ich mir im Internet Fotos aus dem Lager anschaue oder Berichte verschiedenster Nachrichtensender anschaue, so ist es immer noch unvorstellbar, wie es in einem solchen Flüchtlingslager zugeht. Omar Mohamed hat seine Chance genutzt und macht seinen Einfluss geltend, um über den ungewöhnlichen Weg einer Graphic Novel der Welt zu zeigen, wie die Menschen in einem solchen Lager ausharren.

Der Autor Omar Mohamed hat die Hilfsorganisation Refugee Strong ins Leben gerufen, die Flüchtlingen hilft. Mehr Infos dazu auf der Website der Organisation. Auf der Website der Coloristin Iman Geddy finden sich viele Eindrücke aus dem Buch.

wenn sterne verstreut sind

Titel: Wenn Sterne verstreut sind
Autor: Mohamed, Omar; Jamieson, Victoria
Illustrator: Jamieson, Victoria; Geddy, Iman
Genre: Autobiografie / Graphic Novel
Seitenzahl: 224
Verlag: adrian Verlag
Band: 1 von 1

4/5

Originaltitel: When Stars are Scattered
Übersetzer: Julia Augustin
Herkunft: USA
Jahr: 2020 / 2022 (org./dt.)

graphic novels comics

In meiner persönlichen Übersicht der empfehlenswerten Comics und Graphic Novels finden sich viele lesenswerte und zum Teil sehr beeindruckende Werke, die alle auf ihre Art und Weise einen Blick wert sind.

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Weitere Hinweise zu Rezensionsexemplaren finden sich im Bereich “Über diesen Blog“.

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