Herrscht Frieden in den Landen, so ist es nicht derart beachtenswert, dass Bücher darüber geschrieben werden. Viel interessanter ist es, wenn Bewegung in die Fronten kommt und Unheil angekündigt wird. Zumindest in einem High-Fantasy-Roman. Und so verwundert es nicht, dass der neue Zyklus “Der letzte König von Osten Ard” von Tad Williams gut 30 Jahre nach den Ereignissen aus “Das Geheimnis der Großen Schwerter” spielt.
Vorkenntnisse?
Es ist sehr löblich, dass der Autor diesen neuen Zyklus so geschrieben hat, dass Kenntnisse aus der Saga “Das Geheimnis der Großen Schwerter” nicht zwingend notwendig sind. Klar, für das Gesamtverständnis mag es hilfreich sein, aber ich persönlich finde, dass er es tatsächlich geschafft hat, die “aktuellen” Ereignisse so zu beschreiben, dass der Leser nicht das Gefühl hat, dass ihm Informationen fehlen. Eventuell reicht es dem ein oder anderen Leser, eine Zusammenfassung der Ereignisse zu lesen, die sich an diversen Stellen im Netz befinden.
Ich persönlich rate es allerdings dringend dazu, zuerst die vier Bücher des vorhergehenden Zyklus zu lesen.
Neue alte Bekannte
Die Mischung der Figuren in diesem Buch ist Williams wirklich gut gelungen. Fast schon besser als im vorhergehenden Zyklus. Diverse Figuren wurden aus der Welt genommen, andere sind in ihren Rollen gewachsen. Allen voran natürlich Simon und Miriamel. Aber neben den zum Teil charmant gealterten Bekannten, wird der neue Zyklus von vielen neuen Figuren belebt, wie z.B. von “Prinz Frohsinn”, seines Zeichens Enkel der Majestäten.
Auch wenn mir seine Rolle als pubertärer Saufbold anfänglich etwas aufgestoßen ist, so fand ich seine Entwicklung im Laufe des Buchs wirklich sehr gelungen. Ebenso wie die Darstellung der “anderen Seite”. Habe ich vor allem zum Ende des vorhergehenden Zyklus bemängelt, dass die Gegenspieler von Simon zu wenig Raum spendiert bekommen haben, so ist das Verhältnis in “Die Hexenholzkrone” deutlich ausgeglichener.
Alles in allem lebt das Buch von seinen authentischen Figuren, die facettenreich ausgearbeitet wurden und Osten Ard von neuem zu beleben vermögen.
High Fantasy vom Feinsten
Dem Leser wird mit diesem Buch High Fantasy vom Feinsten geboten und ich persönlich finden den neuen Zyklus sogar atmosphärisch dichter und die Geschichte nochmals abwechslungsreicher. Selbstverständlich gibt es wieder mehrere Handlungsstränge, viele Figuren und Namen und diverse verschachtelte Ereignisse, die der Geschichte eine typische Komplexität geben.
Es gibt aber auch große Emotionen, Intrigen, Verrat und natürlich diverse Scharmützel, die einfach ebenso in diese Welt gehören.
Fazit
Tad Willliams ist ein wirklich sehr guter Auftakt zu einem neuen High-Fantasy-Epos gelungen. Dass “Die Hexenholzkrone” derart umfänglich ist, dass der Verlag sich entschieden hat, diese in zwei Teilen erscheinen zu lassen, muss der Leser hinnehmen. Freunde des High Fantasy werden um diesen neuen Zyklus nicht umhin kommen und ich bin mir sicher, dass der Leser mit den beiden Teilen seine wahre Freude haben wird.
Diese Rezension habe ich im Zuge der Veröffentlichung des vierten Bandes überarbeitet. Deshalb habe ich die Hintergrundinformationen gelöscht, die ich 2018 hier niedergeschrieben habe. In Kürze veröffentliche ich eine Seite, auf der alle Bücher aus Osten Ard vorgestellt werden.
Anno 2022 bin ich übrigens der Frage nachgegangen, was Hexenholz ist.
Titel: Die Hexenholzkrone 1: Der letzte König von Osten Ard 1
Autor: Williams, Tad
Genre: Fantasy
Seitenanzahl: 752
Verlag: Klett-Cotta
Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard 1
Übersetzer: Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
Herkunft: USA
Jahr: 2017 (org./dt.)
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Der Büchernarr schreibt hauptsächlich über Bücher aus den Genres Fantasy und Horror. Manchmal schleichen sich Bücher anderer Genres in diesen Buchblog ein, so dass hier auch Biografien, historische Romane oder Kinderbücher zu finden sind.
Für meinen Geschmack fährt Tad Williams zu sehr auf diesen modischen Diversity-Trend ab. Irgendwie müssen alle Gruppen repräsentiert sein. Darunter leidet die Story.
Ich muss gestehen, dass nach 5 Jahren nicht mehr alle Details präsent sind. Allerdings gibts bei Tad Williams immer viele Figuren mit den unterschiedlichsten Neigungen.